Bergauf Hier & da hin

Jetzt bloß keine Verniedlichung: Das Ettaler Manndl

Zur Tour-Krönung gibt’s einen kurzen Klettersteig. Und ein Stück Käsekuchen

Wenn sich nicht gerade Wolken an ihm festklammern, ist das Ettaler Manndl schon von Weitem deutlich auszumachen. Auf dem Weg aus München, am Ende der A95 wird’s fürs Auge eng: Geradeaus stellt sich das Wetterstein in den Weg, links schaut man in das steile, abweisende Kistenkar mit seiner darüber thronenden Hohe Kisten hinein. Und rechts lugt ein Felszahn aus dem Wald empor – Ziel der Wander- und kleinen, feinen Klettersteig-Begierde. 

Das Ettaler Manndl ist verhältnismäßig schnell erreicht und trotz seiner wenig mehr als 1.600 Höhenmeter ein wirklich fantastischer Aussichtsgipfel. Das macht es beliebt bei Bergsteigern. Als Halbtagestour gehen viele das Ettaler Manndl aus dem gleichnamigen Talort mit seinem berühmten Kloster an. Zunächst nur leicht ansteigend und dann doch immer schneller an Höhe gewinnend zieht sich dieser Weg in vielen Kehren durch den Wald.

Der, wie ich finde, schönere Zustieg führt von Oberammergau über den Laber zum Ettaler Manndl. Egal, ob nun aus Ettal oder aus Oberammergau kommend – beide Steige vereinen sich wenige Minuten unter dem Gipfel. Und der ist tatsächlich das Highlight der Tour.

Ziemlich abrupt nämlich ändert sich die Szenerie und man steht vor einem reichlich steilen bis senkrechten Felsaufschwung. Schon auf den ersten, noch recht einfach zu bewältigenden Metern ist eine dicke, schwere Eisenkette zur Sicherung eingerichtet. Wer bereits hier Schwierigkeiten hat, kann – statt sich weiter den Steig empor zu quälen – rechter Hand auf einem kleinen Absatz Pause machen, eine Kleinigkeit essen und das Auf und Ab der anderen verfolgen. Denn das Ettaler Manndl ist beliebt und allein ist man hier nur recht selten.

Die Gipfel-Kraxelei ist schon nach wenigen Minuten erledigt. Und von hier oben eröffnet sich ein wunderbarer Blick – in die Ammergauer Alpen, hinüber ins Estergebirge und auch ins Alpenvorland.

Mindestens genauso wichtig wie ein schöner Gipfel: (Nicht nur) Eine Ettaler-Manndl-Tour lasse ich am liebsten mit einem Stück Kuchen unten in Ettal ausklingen. Dort befindet sich, wenige Meter vom Kloster entfernt, die Schaukäserei Ammergauer Alpen. Genossenschaftlich organisiert werden hier täglich rund 3.000 Liter Milch von 37 Bauernhöfen aus Ettal und den Nachbargemeinden verarbeitet. Die Schaukäsererei gibts seit dem Sommer 2005. Und am schönsten ist’s auf der kleinen Terrasse bei einem Stück – ja klar: Käsekuchen (inzwischen gibts außerdem je nach Jahreszeit auch eine kleine Auswahl an Obstkuchen). Für Daheim dann neben saisonal wechselnden Käsesorten natürlich auch Milch, Joghurt und Quark.

Fazit: Eine schnell zu erreichende Halbtagestour. Wenn mans von Oberammergau angeht (fast) zur Tagestour auszubauen. Wer mal einen Hauch von einem Klettersteig-Gefühl bekommen möchte, der kann sich am Ettaler Manndl bestens erproben. Denn entweder man ist absolut sicher in dem, was man tut. Oder man legt ein Klettersteig-Set an. Immer wieder kleinere speckige Stellen; bei Nässe nur mit größter Vorsicht zu begehen.

Update: Im Sommer 2018 wurden die schweren Eisenketten gegen heute gängige Klettersteig-Sicherungen ersetzt.

  1. Hi Nadine,

    sag mal, der Klettersteig am Ettaler Mandl, benötigt man dazu zwingend eine Klettersteigausrüstung?
    Ich frage nur, weil ich den Gipfel noch nicht gemacht habe und weiss, dass dort ein Stück Klettersteig auf den Gipfel führt. Nur weiss ich nicht wie dieser beschaffen ist.

    Ich meine, beim Mittenwalder Höhenweg muss man ja auch nicht ständig mit Sicherung gehen. Das ist mal leichter mal schwieriger.

    Wie schätzt Du das ein?

    Danke Dir!

    cheers
    Alex

    • Hi Alex, solche Einschätzungen sind sehr schwierig. Bis auf die letzten Minuten reden wir von reinem Gehgelände. Der Gipfelaufschwung ist zwar sehr kurz, aber ich würde im Zweifelsfall „pro Klettersteigset“ empfehlen, zumal es, wie so häufig, runter schwieriger geht als hoch. Ja, vielleicht legst Du das Set auch hier, wie auf dem Mittenwalder Höhenweg, nur an wenigen Stellen an. Du wirst wahrscheinlich bei Deinem Besuch auch eine ganze Reihe (geübte?) Wanderer sehen, die das ungesichert machen, aber letztlich musst Du in Dich hineinhorchen. Mach nur das, was Du wirklich im Griff hast. Ich finde den Vergleich mit dem Airbag im Auto sehr treffend: Es ist nur für den Worst Case gedacht. Ziel ist es letztlich, keinen Unfall zu haben. Heißt hier: nicht zu stürzen. Denn selbst bei kleinen Stürzen kannst Du Dich trotz Klettersteigset stark verletzen. Und nun: Weiterhin viel Freude bei Deinen Entdeckungen. 😉 Nadine

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.