Bergauf Hier & da hin

Auf den Zahn gefühlt

Lamsenspitze.Wegweiser

Von der Gramai-Alm auf die Lamsenspitze

Wie viele Jahre stand die Lamsenspitze eigentlich schon auf meiner Gipfel-Liste? Wenn man mit dem Wandern und Bergsteigen beginnt, sind schwarz markierte, also schwere Touren, ja meist erst einmal weniger von Interesse. Stück für Stück herantasten, heißt die Devise. Manche Gipfelziele bleiben dann aber derart lang auf der Wunschliste, dass die eigene Vorstellungskraft immer mehr in die Tour hinein-imaginiert.

Da hilft nur eins: Endlich mal auf diesen Berg!

Ziel der Begierde: Die Lamsenspitze
Ziel der Begierde: Die Lamsenspitze

Wir wählen die Anfahrt durch das Falzthurntal. Schon bei der Einfahrt ins Tal posiert die Lamsenspitze, die gerne mit einem riesigen Eckzahn verglichen wird, weit oben und besonders markant. Von der Gramai-Alm führt ein mittelschwerer Weg zur Lamsenjochhütte. Zunächst flach bis ans Talende, dann in vielen Kehren hinauf zum Östlichen Lamsenjoch. Dort, wenige Minuten vor der Hütte, deren Fahnen nun schon das erste Mal zu sehen sind, trifft der Weg auf den alternativen Anstieg aus der Eng.

LamsenjochhüttePause auf der Terrasse der Lamsenjochhütte. Hier und da ein sommerlich-träges Gespräch. Immer wieder Blicke in Richtung des markanten Gipfels. Ein kühlender Windstoß. Eigentlich ließe es sich hier die nächsten Stunden auch einfach gut sitzen. Aber wir wollen ja weiter. Alles, was wir nicht benötigen, nehmen wir aus dem Rucksack und lassen es hier.

Mit dem Kopf durch die Wand

Weiter über einiges Geröll Richtung Brudertunnel. Der Klettersteig ist nicht sonderlich lang, vor allem der eigentliche Tunnel ist viel kürzer als wir erwartet hatten: Mehr als 20 Meter ist letzterer beim besten Willen nicht lang. Der gesamte Klettersteig ist bestens mit Drahtseilen, Krampen sowie (am Eingang zum Brudertunnel) mit Holztritten gesichert. Dazu viele gute Griffmöglichkeiten im festen Fels.

Brudertunnel.Lamsenspitze
Eingang zum Brudertunnel

Der Eingang des natürlich geformten Tunnels ist sandig und recht ausgewaschen, hier und da tropft es von der Decke. Oft bleibt hier lange der Schnee liegen, heißt es. Da ist der Hinweis verständlich, dass der Klettersteig nur bei guten Bedingungen begangen werden sollte. Die Schlüsselstelle ist ein senkrechter Aufschwung aus dem Tunnel heraus. Vier bis sechs Schritte, zum Schluss ganz leicht überhängend – und es ist geschafft. Ein paar Meter weiter und das wunderschönste Karwendel-Panorama eröffnet sich uns.

Links könnten wir zum Hochnissl gehen. Wir wenden uns stattdessen nach rechts und folgen der Wegspur in die großen Geröllfelder unterhalb der Lamsenspitze. Am Auslauf der sogenannten Turnerrinne geht es in die zweite, verglichen mit dem Brudertunnel: einfachere, Steiganlage des heutigen Tages. Von der eigentlichen Rinne zügig weggeleitet an festen und gut gestuften Fels, gelangen wir erst am Ende des Klettersteigs in wieder sehr bröseliges Gelände. Zum Schluss noch mal einige Zeit recht mühsam durch ein weites Schotterfeld.

Seen-Raten

Am Gipfel angekommen, genießen wir trotz leichtem Dunst eine prächtige Sicht: Nach Nordwesten machen wir zwei langgezogene Seen aus. Überlegen, welche das seien. Sollte es sich gar um den Starnberger und den Ammersee handeln? Ja, später am Abend wird uns unsere Vermutung auf der Hütte bestätigt.

Lamsenspitze90Die Nacht bleiben wir auf der Hütte. Am nächsten Morgen gibt es erst ab halb acht Frühstück. Reichlich spät für eine Alpenvereinshütte. Nach unserem Geschmack und dem einiger anderer Wanderer, die gemeinsam mit uns bereits ab sieben Uhr vor der Hütte den Morgen genießen, könnte es gut und gerne eine Stunde zeitiger losgehen. Schließlich ist die Lamsenjochhütte auch eine gern genutzte Hütte bei mehrtägigen Karwendel-Unternehmungen. Und bei denen können einzelne Etappen mitunter recht lang sein.

Mittelschwer & mühsam

Am diesem Morgen wollen wir noch über das Hahnkampl zum Gramai-Alm Hochleger und hinauf auf das Sonnjoch. Das Hahnkampl wäre für sich genommen – am besten aus der Eng – schon ein lohnendes, kleines Tourenziel. Die Sicht unerwartet weit und imposant.

Das Wetter ist instabil, und auf halben Weg zum Sonnjoch-Gipfel zieht es komplett zu. Der vom Gramai-Alm Hochleger zum Gipfel hinaufführende Weg wird vor Ort als „schwer“ gekennzeichnet. Folgt man der geläufigen Bewertungsskala, scheint das etwas übertrieben: Lange Zeit geht es durch Wiesenhänge. Zwar ist ein Zwischenstück recht mühsam, weil man sich durch einigen Schotter arbeiten muss. Am darauffolgenden langgezogenen und auch wieder besser zu laufenden Rücken, ist der Weg aber ausgiebig markiert und selbst bei sehr schlechter Sicht gut zu finden. Mit etwas Ausdauer ist der Gipfel von dieser Seite alles in allem gut zu erreichen.

Etwa zwei Stunden benötigen wir vom Sonnjoch hinunter ins Tal, wo an der Gramai-Alm unser Auto steht. Besonders schön: Erst recht weit unten verschwindet der Weg im Wald. So können wir – inzwischen hat es sich abgeregnet – ausgiebig die blitzblank-gewaschene Sicht auf die umliegenden Karwendel-Gipfel genießen.

Abstieg zur Gramai-Alm
Abstieg zur Gramai-Alm

Anreise: Von Pertisau am Achensee-Westufer geht eine Mautstraße ins Falzthurntal bis zur Gramai-Alm. Alternativ, ebenfalls über eine Mautstraße, in die Eng. Von dort ist der Aufstieg zur Lamsenjochhütte und später zum Gipfel etwas länger. Diese beiden Optionen sind landschaftlich sehr schön und nehmen sich nicht viel. Als lieblicher ist jedoch der Aufstieg aus der Eng einzuschätzen. Dritte Variante ist der Aufstieg von Stans.

Ausrüstung: Vollständige Klettersteig-Ausrüstung. (Sehr) Geübte entscheiden nach eigenen Gusto, ob und wie sie’s einsetzen; am Gipfelklettersteig benötigen viele, die schwindelfrei und trittsicher sind, das Klettersteig-Set nicht. Ein Helm ist jedoch auch dort zu empfehlen, insbesondere an schönen Wochenenden, an denen der Gipfel gut besucht ist. – Obwohl der Verlauf des Klettersteigs zum Gipfel vor einigen Jahren optimierte wurde, ist mit Steinschlag zu rechnen.

Alternative zum Brudertunnel: Wer nicht durch den Brudertunnel aufsteigen möchte, kann den Weg zum Wandfuß der Lamsenspitze und über einen versicherten Abschnitt zur Lamsenscharte wählen. Dies ist gleichzeitig der Abstieg für alle.

Tipp: An der Gramai-Alm kannst Du (Berg-)Käse und Speck kaufen. Allein schon vom Nase-in-die-Almhütte-Halten wird Dir das Wasser im Mund zusammenlaufen. Es duftet wunderbar wie auf Omas Räucher-Boden.

 

 

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