Hier & da hin Niederlande Über Land

Durchs Land gehangelt

Gipfellos glücklich

Wenn man als Bergenthusiast davon erzählt, dass man im Urlaub in die Niederlande reisen würde, hat das nahezu unausweichlich eine Reaktion zu Folge: Mindestens ein stilles Schmunzeln, eher aber ein lautes Lachen anderer Bergnarrischer. Denn dort wartet kein Gipfel. Nicht mal eine wirklich nennenswerte Erhebung.

Statt Höhenrekorde aber Tiefensuperlative: Der niedrigste Punkt der Niederlande befindet sich auf 6,74m. Unter dem Meeresspiegelniveau, wohlgemerkt. In Südholland. Möglichst macht das ein hochkomplexes Deichsystem, mit welchem der Nordsee dauerhaft ganze Landstriche abgerungen wurden.  

Ein Königreich für ein Rad

Was die Niederländer auf dem so dazu gewonnen Land und in ihrem übrigen kleinen Königreich perfektioniert haben, ist das Radwegesystem. Von Ost nach West und von Nord nach Süd ist auf alle niederländischen Regionen ein System sogenannter Fahradknotenpunkte („fietsknooppunt“) gelegt. Das macht es genial einfach, sich von einem Ort zum anderen durchs Land zu hangeln, auch ohne eine Karte mitzunehmen. Alles, was man wissen muss, sind die Nummern der Knotenpunkte, die sich an der Strecke befinden. 

Da entlang zum nächsten Radl-Café.

Überhaupt geht das Radfahren, selbst zu Hauptverkehrszeiten in Amsterdam, eher entspannt zu: Fahrradstraßen, auf denen Autofahrer deutlich erkennen, dass sie dort „te Gast“ sind. Auf vielen Straßen allerlei Aufpflasterungen und Lenkungsmaßnahmen, die ganz automatisch den Autoverkehr auf recht geringe Geschwindigkeiten herunterdrosseln. Breite, farblich deutlich abgehobene Fahrradwege en gros. Das ganze mit auffällig geschmeidigen Überleitungen vom einen aufs andere Höhenniveau, so dass man das Radeln in vollen Zügen genießt und einzig der Gedanke an die Zeit nach dem Urlaub und an den deutschen Borsteinkantenwahnsinn die gute Laune etwas dämpfen kann. 

Sim Country 

Mit dem Rad, so hat es den Anschein, kann man seinen Alltag hervorragend meistern. Auf ihre Art erscheint die Infrastruktur in den Orten menschlich geblieben. In viele der Straßen und engen Gassen käme man mit einem Auto eh nicht sonderlich gut zurecht. So greift man ganz automatisch zum Rad. Wie eine Parallelwelt erscheint dann die komplexe Infrastruktur aus Autobahnen und Schnellstraßen, die ebenfalls das gesamte Land überzieht und die eng ineinander verschachtelten Areale miteinander verbinden, die der einen oder anderen Nutzung dienen. Hier eine Wohngegend, da ein Gewerbegebiet. Eine Golfanlage neben einer Motorsportstrecke, ein Flughafen neben einer Kuhweide. Nicht zu vergessen: Die Nationalparks den Landes, die auch noch irgendwie Platz haben.  

Ein Land, mehr als 20 Nationalparks

Einigermaßen klein und recht überschaubar sind die meisten der niederländischen Nationalparks. Und da eben auch sie ins platte Land geschachtelt sind, überrascht es nicht weiter, dass auch dort ein Fahrrad vielerorts das ziemlich perfekte Fortbewegungsmittel darstellt.

So wie im Nationalpark De Loonse en Drunense Duinen in Nordbrabant: Seit dem Mittelalter sind dort durch Sandverwehungen Dünen entstanden – mitten im Land, zwischen Wiesen, Weiden und kleinen Ortschaften. Der Name „Brabanter Sahara“ kommt nicht von ungefähr – spätestens zum sommerlichen Sonnenuntergang werden hier wüstengewaltige Bilder von Lawrence von Arabien wach. Nur eben, dass sich dieser überdimensionierte Sandkasten easy mit dem Rad umrunden lässt (knapp 20 Kilometer auf asphaltierten Wegen).

Ein ganz besonderes Rad-Erlebnis ist der Besuch im Nationalpark De Hoge Veluwe. Vom Auto oder Bus steigt man am besten direkt an einem der drei Nationalparkeingänge aufs Fahrrad um. Um die 2.000 kostenlosen Räder stehen dazu im Park zur Verfügung. Mitten im Wald befindet sich auch das Kröller-Müller-Museum mit seiner großen Van-Gogh-Sammlung und einem weitläufigen Skulpturenpark.

Radl-Tipp

Um deine eigene Route vorab zu planen, helfen dir verschiedene „Fietsknooppuntenplaner“; übersichtlich und recht selbsterklärend ist dieser hier; gibt es auch als App.

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