Opposites of white, Roni Horn

Ein Besuch des Kröller-Müller-Museums im Nationalpark De Hoge Veluwe

Van Gogh oder Wandern? Picasso oder Picknick? – Glücklicherweise brauchen wir uns am letzten Tag unseres Urlaubs in den Niederlande gar nicht zwischen Kultur und Natur entscheiden, nachdem wir in Otterlo gemächlich der Ausschilderung zum Nationalpark De Hoge Veluwe folgen.

Der Nationalpark De Hoge Veluwe wird als einer der schönsten Nationalparks der Niederlande gehandelt. Der außergewöhnlichste ist er mit Sicherheit. Denn mitten in dem etwa 55 Quadratkilometer großen Park, in dem Wald und Heide einander abwechseln, versteckt sich das Kröller-Müller-Museum.

Versteckt im Wald

Wobei „verstecken“ dann doch nicht das richtige Wort ist, denn das Museum ist eines der großen Publikumsmagnete der Niederlande und weltweit bei Kunstinteressierten bekannt. Zum einen, weil hier das Zuhause der (nach der in Amsterdam befindlichen) zweitgrößten Van-Gogh-Sammlung ist. Zum anderen, weil sich auch sonst allerlei große Namen die Ehre geben: Pablo Picasso und Claude Monet, Giorgio de Chirico und Piet Mondriaan. Im weitläufigen Skulpturenpark wiederum, nicht zuletzt wegen dem mich das Kröller-Müller-Museum dann auch in gewisser Weise an das dänische Louisiana erinnert, finden sich neben allerlei Zeitgenössischem auch Werke von Auguste Rodin und Henry Moore.

Kunst schon vor dem Museum: Landscape-sun project

Zu seinem Namen, für den ohne Holpern und Stocken auszusprechen ich mich gerne erst einen kurzen Moment sammeln muss, kam das Museum durch Helene Kröller-Müller: Zwischen 1907 und 1922 kaufte sie gemeinsam mit ihrem Mann Anton Kröller mehr als 11.000 Kunstwerke und nannte damit eine der Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts größten privaten Kunstsammlungen ihr eigen. Später entstand die Idee, die Werke auch der Öffentlichkeit zu zeigen.

Vom privaten Jagdrevier zum öffentlichen Nationalpark

Neben all der Kunst erwarb das Unternehmerpaar auch das Jagdrevier Hoge Veluwe, in dessen Zentrum sich das Kröller-Müller-Museum heute befindet. 1935 geriet das Paar dann im Zuge der Wirtschaftskrise in finanzielle Engpässe, der Staat kaufte die Kunstsammlung ab; noch im selben Jahr wurde Hoge Veluwe in eine Stiftung überführt und zum Nationalpark erklärt. In Deutschland hieße das ganze wohl eher Naturpark oder schlicht Naturschutzgebiet.

Begrifflichkeiten beseite – es ist entspannend, sich einen Tag lang durch das Museum und den Park treiben zu lassen. Ein Mindestmaß an Struktur ist dann doch nötig: Vormittags durchstreifen wir die Innenräume des Museums. Nach einer ausgiebigen Mittagspause ist auch der Kopf wieder aufnahmefähig und wir erkunden den Skulpturenpark. Nochmals später gönnen wir uns eine Kaffeepause und schnappen bald die Räder, um noch eine Runde durch den Nordteil des Parks, zum Jagdhaus Sint Hubertus zu drehen.

Als wir durch den Park rollen, nimmt der Supersommer 2018 zwar gerade erst so richtig Fahrt auf, aber die Heide hat sich schon ins trockene Gelb geschmissen und kommt nurmehr steppenartig daher. Noch im Radeln steht mein Entschluss: Irgendwann werde ich zurückkehren und den südlichen Teil des Parks erkunden. Ich male mir aus, dass die Heide dann lila blühen wird.

Wissenswertes rund ums Kröller-Müller und De Hoge Veluwe

Zugang: Der Nationalpark De Hoge Veluwe hat drei Eingänge – im Osten in Hoenderloo, im Süden in Schaarsbergen und im Westen in Otterlo.

Fortbewegen im Park: Besonders effektiv und angenehm mit dem Rad. Wer mit dem PKW unterwegs ist und nicht eh sein eigenes Rad dabei hat: Je nach Wetter bietet es sich an, das Auto am Parkeingang abzustellen und auf eines der kostenlosen (bzw. im Nationalpark-Eintrittspreis enthaltenen) weißen Fahrräder („witte fiesen“) umzusteigen. Auch im Park stehen am Museum und am Besucherzentrum Räder bereit – man kann sich einfach eines nehmen. Falls in der Hochsaison alle weißen Räder in Gebrauch sind, kann gibt es noch eine kostenpflichtige Variante in blau: Eltern-Kind-Tandems, Dreiräder, elektrische Rollstuhlfahrräder – es gibt wohl kein Spezialrad, das in der Sammlung fehlt.

Eintritt & Kosten: Man wählt zwischen der Eintrittskarte nur für den Park (Erwachsene 9,95 Euro, ermäßigt 5,00 Euro) oder für den Park und das Kröller-Müller-Museum (Erwachsene 19,90 Euro, ermäßigt 10,00 Euro). Das Auto (oder alternativ das Pferd) mit in den Park zu nehmen kostet ein paar Euro extra. (Stand 2019)

Zeit im Museum: Genau genommen lässt sich allein im Museum samt Skulpturenpark ohne Weiteres ein ganzer Tag verbringen. Knapper berechnet sollte man mindestens zwei Stunden einplanen (sich dann aber besser nur auf die Innenräume beschränken) bzw. vier Stunden (um sich zusätzlich auch im Skulpturenpark etwas umzuschauen). Im Museum gibt es ein Selbstbedienungsrestaurant. Im Sommerhalbjahr ist’s vor allem bei passendem Wetter im Outdoor-Restaurant-Bereich im Skulpturenpark sehr gechillt.

Später noch mal nachschauen: Klasse ist die umfangreiche Online-Sammlungsdatenbank, in der mehr als 4.000 Werke aus dem Kröller-Museum gelistet sind und in der sich problemlos so ziemlich jedes Exponat wiederfinden lässt.

Übernachten: Ja, im Nationalpark De Hoge Veluwe gibt es tatsächlich auch einen einfachen Naturcampingplatz mit modernen Sanitäranlagen. Check-In ist am Parkeingang in Hoenderloo. Wer nicht selbst kochen mag: mit dem Rad ist man innerhalb weniger Minuten in verschiedenen Restaurants im Dorf. Vor allem, wer neben dem Museum auch die Wälder und Heiden ausgiebiger erkunden möchte, wird schnell über mindestens einen zweiten Tag im Park nachdenken.

Ausführliche Informationen: Auf den Websiten vom Nationalpark De Hoge Veluwe sowie vom Kröller-Müller-Museum.

Campen im Nationalpark De Hoge Veluwe: Bei Schönwetter braucht man’s mit dem Abspannen des Außenzelts nicht allzu genau nehmen.

Das Kröller-Müller-Museum hat mir zu Recherchezwecken kostenlosen Eintritt zum Nationalpark und zum Museum gewährt.

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