Bergsofa Vermischtes

Buchtipp: Nerven wie Seile

Nerven wie Seile

Eine Hommage an die Tiroler Bergrettung

Bergretter – „Die Tausendsassas der Berge“ … diese Beschreibung ist geborgt. Von der Autorin des Buches, Irene Prugger. Denn kaum ein anderer Begriff würde so gut beschreiben, was sie sind.

„Die Bergretter“ – das klingt für den, der noch nie mit ihnen zu tun hatten, erst einmal recht abstrakt. Heroisch fast. Vielleicht gar nach „Superhelden“.

Rund 4.400 Männer und Frauen sind es, die sich allein in Tirol in der Bergrettung engagieren. Gut 12.000 werden in ganz Österreich gezählt. Sie helfen Menschen in Bergnot. Sie versuchen Verunglückte aus brenzligen Situation herausholen. Und Leben zu retten. Dabei riskieren sie mitunter selbst sehr viel. Ehrenamtlich. Und aus Überzeugung.

Ausgebildet in der ganzen Vielfalt der Bergsportdisziplinen befreien sie Menschen aus allen denk- sowie undenkbaren misslichen Lagen und sind zu medizinischer Ersthilfe befähigt. Sie kennen sich in der jeweiligen Region perfekt aus.

Die Facetten der Bergrettung

In rund zwei Dutzend Kapiteln beleuchtet die Autorin die unterschiedlichsten Aspekte der Bergrettung. – Wie sieht die Ausbildung aus, wie der „Alltag“ eines Bergretters? Welche unterschiedlichen Einsätze gibt es? Zu welchen neuen Ideen und Konzepten tragen die Bergretter bei? Wie steht’s um die Zusammenarbeit mit anderen Blaulicht-Organisationen oder gar über Ländergrenzen hinweg?

Nerven wie Seile
(c) Löwenzahn Verlag

Zwei Jahre lang hat die Autorin Irene Prugger Bergretter in ganz Tirol begleitet, um ein möglichst vollständiges und in jedem Fall faszinierendes Bild entstehen zu lassen. Ebenfalls mit dabei: Fotografin Maren Krings, selbst bei der Bergrettung engagiert. Sie lässt die Bilder reden, die dann von den oft dramatischen Momenten am Berg erzählen.

Eine Reihe von ihnen kann man sich perfekt großformatig und wandfüllend vorstellen. Andere wiederum zeigen eher alltägliche Situationen und Details in den Ortsstellen, während der Übung oder dem Einsatz. Aufmerksame Momente, die von Zeit- und Leistungsdruck geprägt sind, stehen neben solchen der Entspannung, in denen auch manch Anekdote erzählt wird. Die allgegenwärtige Tragik ist zu sehen, wie auch die Lebensfreude zu spüren.

Erzählt wird auch von den vierbeinigen Helfern, den Lawinen- und Suchhunden. Von der ganz besonderen Beziehung, die viel mehr ist als einfach nur „Hund und Herr“. Der Bergretter und sein Hund – das ist ein eingespieltes Team. Zwei, die schier unendliche Stunden darauf verbringen, für den Notfall möglichst perfekt vorbereitet zu sein.

Bestens ausgebildet und fester Bestandteil des Teams: Lawinen- und Suchhunde
Bestens ausgebildet und fester Bestandteil des Teams: Lawinen- und Suchhunde

Nicht zu vergessen, die Partner und Partnerinnen der Bergretter. Die Familien, die den Ehrenamtlichen den Rücken frei halten um helfen zu können. Die verständnisvollen Chefs, die den Mitarbeiter im Notfall einfach gehen lassen – egal, wieviel Uhr es gerade ist. Insofern zeichnet das Buch auch das Porträt einer eng verzahnten sozialen Gemeinschaft, die jedem hilft, der in (Berg-)Not gerät.

Rot-Schwarz. – Die Farben des Teufels. Und der Engel am Berg.

Nerven wie Seile
Faszinierende Bilder

Das Besondere am Buch: Es sind vor allem die Bergretter selbst, die zu Wort kommen. Jedem Kapitel sind einige einleitende Zeilen der Autorin vorangestellt. Nur, um dann unmittelbar die erzählen zu lassen, die – mitunter seit Jahren und Jahrzehnten – als Engel in Rot-Schwarz am Berg unterwegs sind.

Apropos Farben: Die Bergretter testen zwangsläufig Ausrüstung und Bekleidung unter härtesten Bedingungen. Bewerten Neuerungen als ausgereift oder tüfteln weiter an ihnen. Tauschen sich eng mit regionalen Herstellern zusammen. Wählen schon mal einen ganz besonders passenden Rot-Ton für ihre Kleidung aus: „High Risk Red“.

Spätestens das Buch macht klar: Die Bergretter, das sind Multitalente und Alleskönner am Berg. Nur eines wollen sie nicht sein: Superhelden.

„Nerven wie Seile“ ist im Löwenzahn Verlag erschienen. Umfang 272 Seiten. Hardcover. Zu bestellen in jeder Buchhandlung oder direkt beim Verlag für 19,90 Euro (D). ISBN 978-3-7066-2550-0.

Das Buch „Nerven wie Seile“ hat mir der Löwenzahn Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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