Hölzchen und Stöckchen

Wenn, dann doch wohl aus Wachs!

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Warum ich in Venedig sechs Kirchen aufsuchte

Wenn wir je in Venedig ankommen, zünd’ ich dir ne Kerze an!“ sagte ich spontan zu C. – Das war knapp vier Wochen her, am zweiten Abend unserer Wanderung von München nach Venedig.

C. hatte uns am zweiten Tag des sogenannten „Traumpfad“ ein komplettes Wechel-Set Schuhe nach Bad Tölz gebracht. Denn wir waren nach zwei Tagesmärschen so fußlahm wie nur irgend möglich. Elendige Ebene! Durch C.s Hilfe sahen wir in Tölz überhaupt wieder eine Chance, vielleicht den Markusplatz zu Fuß zu erreichen. 

… und dann sind wir wirklich da! Wir genießen das Aufwachen in unserem herrlich-bequemen Zimmer im Hotel Scandinavia am Campo Santa Maria Formosa, gar nicht weit vom Markusplatz, im Stadtteil Castello. Direkt vor unserem Fenster baut sich die dem Platz namensgebende Kirche auf. Da sollte es doch direkt einfach sein, mein Versprechen mit der Kerze einzulösen!

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Guten Morgen! – „Der Tag danach“, nach München-Venedig

Nun ja – nicht ganz so leicht: Wir also nach einem ausgiebigen Frühstück beschwingt in die Kirche. Und gleich enttäuscht, denn es gibt nur elektrische Kerzen. Das geht definitiv nicht! Wenn, dann sollte es doch bitte eine echte Wachskerze sein.

Aber was soll’s. Unser Zug fährt erst am Nachmittag und wir wollen uns eh schlichtweg ein bisschen treiben lassen. Also hinein in die Gassen, über kleine Brücken, an Cafés und kleinen Läden vorbei. Mit jeder Ecke, um die wir gehen, wird’s ruhiger. Wir kommen bald in ganz normale Wohnstraßen, in denen vom sonst gewohnten Venedig-Trubel wenig bis absolut nichts zu spüren ist.

Nur das mit der Kirche will nicht glücken: Die zweite Kirche ist zwar alsbald ausfindig gemacht. – Doch dort sollen wir Eintritt bezahlen. Ich will doch aber nur eine Kerze anzünden … Also weiter. Bei Kirche Nummer Drei erfüllen wir in kurzer Hose und Shirt nicht ansatzweise die deutlich auf einem großen Schild gewünschte Kleiderordnung. Kirche Nummer Vier: eine Hochzeit. Kirche Nummer Fünf: eine Beerdigungsfeier. Kirche Nummer Sechs: Nonnen, aber keine Kerzen. Also zurück zu Kirche Nummer Fünf. Dort wird noch immer getrauert, das graue Bestattungs-Vaporetto ist im kleinen Kanal ein paar Schritte weiter angetäut.

Wir entscheiden uns erst mal für einen Cappuccino. Eine gute Weile später: neuer Versuch bei Nummer Fünf. Erfolggekrönt. – Es gibt ordentliche Wachskerzen. Wir entrichten unseren Obulus dafür. Und zünden endlich vier Kerzen an. Für C., für ihren Mann und für die beiden erwachsenen Kinder.

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San Francesco della Vigna – eine gute Adresse zum Anzünden von Kerzen!

Ja, die Sache mit den Kerzen funktioniert auch hervorragend, ohne sonst etwas mit der Kirche am Hut zu haben. Das ist einfach ne Sache von Mensch zu Mensch. Wir sind glücklich, dass wir’s zu Fuß von München nach Venedig geschafft haben. Danke, C.!

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