Hier & da hin Über Land

Hineingezogen

Naturerlebnispfad Praxmar Lüsen

Ein Sonntagsspaziergang im Lüsener Tal

Ich hatte im Alpengasthof Praxmar gefrühstückt. Meine Sachen ins Auto gepackt. Nachdem ich tags zuvor beim Sellrainer 24er unterwegs war, wollte ich heute nur noch zwei, drei Schritte gehen. Zur Info-Tafel am öffentlichen Parkplatz, direkt hinter meiner Unterkunft. Schauen, wo welche Wege hinführen.

Schließlich, so der Plan, möchte ich wiederkommen ins Sellrain. Im Winter, zum Skitourengehen, wo’s so ideale Bedingungen haben soll. Nicht ohne Grund findet eine ganze Reihe von Skitourenkursen hier oben statt. Oder auch im Sommer. – Die Sellrainer Hüttenrunde steht bereits seit einigen Jahren auf unserem Programm.

Nun aber las ich erst einmal die Info-Tafel vom Naturerlebnisweg Praxmar. Dieser versprach mit dem Lüsener Tal „einen der schönsten Talabschlüsse der Zentralalpen“. Gut zwei Kilometer waren angekündigt, von Praxmar bis nach Lüsens führend, mit zehn Stationen, an denen über die Naturgeschichte sowie die Tiere und Pflanzen im hiesigen Hochwald erzählt würde.

Naturerlebnispfad Praxmar
Naturerlebnispfad Praxmar

Ehe ich mich versah, war ich schon hineingezogen: Losgelaufen und bald an der ersten Station gelandet: ‚Was Nadelbäume alles so „verzapfen“’, war dort zu lesen. Ansprechend fand ich die Beschreibungen. Und so folgte ich letztlich dem gesamten Themenweg.

Der Tod für Themenwege jeder Art ist eine trockene, verstaubte Sprache. Auf den zehn Tafeln nun haben die Initiatoren ein wunderbares Händchen für „Bildung im Vorbeigehen“ bewiesen: Da werden „Probleme einfach überschlafen“ (es geht um den Winterschlaf und andere Ausweichmanöver der Tiere), oder Flechten (in denen eine Alge und ein Pilz eine Zweierbeziehung, also eine Symbiose eingehen) werden als ein Unternehmen beschrieben, in dem sich zwei Partner mit unterschiedlichen Stärken zusammentun. Klar, oder?

Naturerlebnispfad Praxmar Lüsener Tal
Lüsener Tal / Sellrain

Fast ist es, als wäre ich mit einem richtig guten Biologie-Lehrer unterwegs. Einem, der sich nicht hinter Fachbegriffen verschanzt, sondern komplizierte Sachverhalte in eine lebensnahe Sprache übersetzt. Geeignet für Erwachsene. Und durchaus auch für Kinder.

Am Ende des Wegs, in Lüsens, angekommen, ist die Versuchung riesig: Jetzt einfach weitergehen! – Ein zweiter Themenweg, der Gletscherpfad Lüsens, schließt sich unmittelbar an. Dann könnte ich noch auf’s Westfalenhaus … Aber Stopp! Dicke Wolken am Himmel, aber keine Regenjacke dabei. Irgendwann sicher Durst, aber keine Wasserflasche oder zumindest etwas Geld in der Tasche. Ich wollte ja auch nur kurz zwei, drei Schritte gehen …

Naturerlebnispfad Praxmar Lüsener Tal Melach
Lüsener Tal: Melach

Fazit: Richtig, es muss nicht immer eine besonders ausgedehnte Wanderung sein! Der Naturerlebnisweg Praxmar ist sehr schön, um einfach ein bisschen spazieren zu gehen – umgeben von hohen Bergen mit Wasserfall und Bach sowie dem Gletscher weit oben.

Zwischen den Weilern Praxmar und Lüsens ist ein Höhenunterschied von gerade mal 50m zu nehmen. Ruhig etwas mehr Zeit mitbringen: Reine Gehzeit für die zwei Kilometer kurze Strecke knapp 30 Minuten, plus natürlich der Zeit, die man sich an den Info-Stationen aufhält.

Naturerlebnispfad Praxmar Tierstation
Naturerlebnispfad Praxmar: Tierstation


Gut zu wissen:
Die Region Sellraintal, zu dem das Lüsener Tal gehört, ist seit 2013 eines der bisher 20 Bergsteigerdörfer in Österreich. Das Bewusstsein für den Einklang zwischen Mensch und Natur wird in den kleinen Gemeinden tatsächlich gelebt. Touristische Angebote sind in Maßen vorhanden – vordergründig dreht sich hier alles um unverbrauchte Natur; Lifte und große Hotelkomplexe finden sich indes nicht. Die Dörfer sind Perlen für jeden, der gerne naturnah aktiv ist. Das Konzept soll auf den gesamten Alpenraum übertragen werden. Besonders konkret: Auch in Bayern könnte es bald ein erstes Bergsteigerdorf geben.

Sellrain. Bergsteigerdörfer
Im Sellrain. Bergsteigerdörfer

 

 

  1. Was für eine süße Idee, die Pfotenabdrücke zu erklären. 🙂

    • Ja, das fand ich auch besonders schön. Die Kür ist dann, die Abdrücke in der Natur tatsächlich zu erkennen … Ich jedenfalls bräuchte da wohl erst einmal einen Fährtenlesen-Kurs! 😉

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