Hölzchen und Stöckchen

Mittsommerschnee

Nordwand-Feeling in den Schöngängen

Sie habe sich wie in einer richtigen Nordwand gefühlt, meinte meine Freundin, als wir wieder im Tal waren. Objektiv betrachtet mag das reichlich übertrieben scheinen. Subjektiv gesehen stimme ich ihr vollkommen zu: Am vorherigen Vormittag, pünktlich zu Mittsommer, hatte der Schneefall eingesetzt. Niederschläge seither fast rund um die Uhr, auch an diesem Morgen.

Statt nach unten „flüchteten“ wir zunächst nach oben. Dorthin, wo der Niederschlag weiter in kleinen weißen Flocken auf die Erde sinken würde.

Die Schöngänge sind für uns an diesem Tag der „goldene Mittelweg“ zwischen dem „heute-können-wir-nicht-hoch-hinaus-(auf die Alpspitze)“ und „einfach-unten-(über den Bernadeinsteig)-möchten-wir-auch-nicht-lang“:

Der Schöngänge-Steig ist in etwa einer halben Stunde gemeistert. Nach rechts ginge es zur Alpspitze hinauf, doch dieser Weg verschwindet heute im Grau-Weiß der Wolken und des Schnees.

Stattdessen ein kurzer Abstecher nach links und nach wenigen Minuten stehen wir auf dem Bernadeinkopf. Bei sommerlichen Verhältnissen nicht mehr als ein Grasbuckel in der Verlängerung des Alpspitz-Ostgrats. Für uns an diesem Mittsommerwochenende ein kleiner, winterlicher Tourenhöhepunkt.

Bernadeinkopf zu Mittsommer 2015
Bernadeinkopf zu Mittsommer 2015

Tipps:

Flipflop-Bergtourismus am Alpspix, Warteschlangen an der Alpspitz-Ferrata. – Mag sein, dass man das Gebiet rund um den Osterfelderkopf schnell gedanklich beiseite schiebt, wenn man über ein abwechslungsreiches und dennoch ruhig-erholsames Bergwochenende nachdenkt. Der große Vorzug des Gebiets oberhalb von Garmisch-Partenkirchen ist aber, dass hier unabhängig vom Können wirklich jeder auf Tuchfühlung mit der raueren, alpinen Seite der Berge gehen kann. Sei es – nur zum Schauen – auf einem Spaziergang auf dem Erlebnisweg für Kinder oder – richtig zum Anfassen – beim Klettern.

Kreuzeckhaus: DAV-Hütte mit ca. 110 Schlafplätzen. Viele gemütlich 2-er und 3er-Zimmer. Keine Angst vor den größeren Lagern – die Matratzen sind dort nicht in langen Reihen aneinandergelegt, sondern immer in Doppelliegeflächen mit kleinen Gängen dazwischen unterteilt). Angenehme Atmosphäre, gutes Essen – hier lässt sich’s auch bei schlechtem Wetter gut aushalten. Guter Ausgangspunkt für die diversen Aktivitäten im Gebiet.

Garmisch-Partenkirchen
Im Kreuzeckhaus lässt sich auch das eine oder andere Wetter gut aussitzen.

Die Schöngänge: Etwa eine Stunde vom Kreuzeckhaus entfernt. Ein kurzer alpiner Steig (etwa 30 Minuten), teils seilversichert. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit notwendig. Je nach persönlichem Gusto und Verhältnissen auch Klettersteigset.

Abstieg vom Bernadeinkopf: Es empfiehlt sich, die Runde nach Südosten fortzusetzen. Direkt am Ausstieg der Schöngänge führt ein markierter Wanderweg Richtung Stuibensee. Von dort nochmal gut 400m absteigen und du gelangst zu einer T-Kreuzung. Nach links geht es über den Bernadeinsteig zurück zum Kreuzeckhaus; nach rechts in langem Bogen Richtung Partenkirchen.

2-tägige Klamm-Tour: Die Besuche der Höllentalklamm und Partnachklamm lassen sich auf einer Hüttentour wunderbar miteinander verbinden:

Historische Knappenhäuser
Links schlängelt sich der Weg von den Historischen Knappenhäusern zum Hupfleitenjoch empor

Start ist dazu die Talstation der Kreuzeckbahn. Über Hammersbach in die Höllentalklamm und zur Höllentalangerhütte (Gehzeit: 2h); von dort weiter über die Historischen Knappenhäuser und das Hupfleitenjoch zum Kreuzeckhaus (Gehzeit: 2h).

Am nächsten Tag über Schöngänge/Bernadeinkopf und Stuibensee oder direkt über den Bernadeinsteig absteigen Richtung Partenkirchen. Bei der Orientierung etwas aufpassen – der Weg kreuzt im unteren Bereich mehrere Forststraßen. Es geht „von hinten/oben“ in die Partnachklamm.

Viel Wasser in der Partnachklamm
Viel Wasser in der Partnachklamm

Die Runde wird geschlossen, indem du zunächst Richtung Skistadion gehst, kurz vorher, am Sägewerk, aber links über eine Brücke abbiegst. Durch die Wiesen und dann immer am Bahndamm (der Regional- sowie der Zugspitzbahn) entlang bis zurück zur Talstation der Kreuzeckbahn. Alternativ kannst du an der Haltestelle Hausbergbahn auch in die Zugspitzbahn steigen und das letzte, kleine Stück fahren.

Während der erste Tag nur vier Stunden Gehzeit erfordert, ist der zweite Tag mit knapp 20 Kilometern ausgedehnter. Je nachdem, welchen Weg (s.o.) du wählst und wie oft du Pause machst, wird eine Ganztageswanderung draus.

Gepäck: Die Bergstation der Kreuzeckbahn liegt direkt neben dem Kreuzeckhaus. Auch wenn du selbst laufen möchtest, kannst du einen Teil deines Gepäcks auf den Berg schicken. Kosten pro Gepäckstück 3,50 Euro. Zur Abholung oben das Ende der Betriebszeiten beachten! Macht sich besonders gut auch für’s Mitnehmen von Kletterausrüstung etc.

Lesetipp: Auch Florian war auf dem Bernadeienkopf – hinauf über den Nordwandsteig, hinunter über die Schöngänge. Von seiner Runde hat er sehenswerte Fotos mitgebracht. Spannend wieder einmal, wie’s rund um den Gipfel dann ohne Schnee aussieht.

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