Bergauf Hier & da hin

Der lachende Dritte

Mit den Schneeschuhen am Simetsberg.

Schneeschuh-Frühling auf dem Simetsberg

Wenn Berge Marktschreier wären, dann würden sie um die Gunst des Wanderers buhlen: Sich in den schönsten Worten vorstellen, Ihre Vorzüge anpreisen – und hoffen, dass wir aufmerksam würden, zu ihnen kämen.

Zwei, die in den letzten Tagen meine Aufmerksamkeit gewonnen hatten, waren der Wank und der Jochberg: Beide sind von München recht schnell erreichbar. Wichtiger noch: Man braucht NICHT auf die A8 Richtung Salzburg. Was an einem Kaiserwetter-Samstag, wie er vorhergesagt war, besonders wichtig ist.

Der Jochberg ruft schon seit einigen Wochen lauthals: Kommt zu mir. Schaut euch mal an, was nicht mehr da ist, wenn tatsächlich ein Pumpspeicherbecken gebaut würde. Ja, wichtig und interessant. Aber wir wollten Schnee! Der Wank lockte genau damit: Noch einmal die Tourenski anzuschnallen und im aufgelassenen Skigebiet über die Esterbergalm zum Gipfelkreuz hinaufzusteigen. Die Details wurden bei einigem Nachdenken klar: Vom Parkplatz würden wir ein gutes Stück mit den Ski am Rucksack aufsteigen müssen. Und mit Skischuhen an den Füßen. Nein, danke. Beide Offerten ließen wir somit letztlich erst einmal links liegen.

Der lachende Dritte war der Simetsberg. Sehr viel weniger beachtet als seine bekannten Nachbarn liegt auch er am Walchensee. Schon lange wollte ich ihm mal einen Besuch abstatten.

Frühlingstour auf den Simetsberg. Schnee gibt's erst weiter oben.
Frühlingstour auf den Simetsberg. Schnee gibt’s erst weiter oben.

In meinem Bergführer heißt es, dass nur wenige seinen Namen kennen. Aus dem Satz hatte ich geschlossen, dass also auch nur wenige hier hinauf steigen. Schon kurz  nach dem Start vom Parkplatz in Obernach gewinnen wir die Einsicht: Diese Annahme ist falsch. Denn schon auf den ersten Metern Forststraße gesellen sich einige Wanderduos zu uns. Überholen uns schnellen Schrittes. Bin ich heute nicht in Form? Oder sind sie so schnell wegen ihrer kurzen Hosen? Auch wir laufen schon bald im T-Shirt weiter.

Anders als die anderen Wanderer haben wir unsere Schneeschuhe dabei. Doch vom Schnee kaum eine Spur: Hier und da mal ein letzter kläglicher Rest. Ansonsten einfach der schönste Frühlingswald. Auch die Berge ringsum verraten uns nicht, wo etwa die Schneegrenze ist. – Wir können sie schlichtweg nicht sehen, denn die Wolken-Nebel-Dunst-Fetzen halten sich vorerst hartnäckig und erlauben keinen gescheiten Blick. Also weiter durch den Wald. Etwa 90 Minuten und 600hm später beginnt zögerlich der Schnee.

Bisher haben wir mit unseren Schneeschuhen nur den einen oder anderen belächelnden Blick eingefangen. Jetzt aber meldet sich ein Urlauber zu Wort: „Wie’s aussieht sind die wohl nicht mehr nötig. Ist ja trotzdem schön, dass ihr sie ausführt.“ Ein wenig Spott muss man halt aushalten. Insgeheim hatten auch wir die heutige Aktion schon längst als Gewichts-Trainings-Einheit abgelegt. Aber dann …

Mit einem Steilaufschwung eine Schneise hinauf kommen wir endlich aus dem Wald. Bis hierher geizte der Weg noch ein wenig mit seinen Reizen. Nun aber wird’s deutlich interessanter:

Oberhalb der Schneise reckt uns die Simetsberg-Diensthütte ihren Dachfirst entgegen. An der Hüttenwand sitzen all die Wanderer, die uns vorher überholt hatten und genießen die Sonne. Hinter der Hütte schönste, freie Hänge. Und nur eine kleine Trittspur. Will hier keiner weiter?

Simetsberg-Gipfelkreuz
Simetsberg-Gipfelkreuz

Nun also doch noch: Ordentlich Schnee! Da lacht mein Herz. Wir schnallen uns die Schneeschuhe an und hüpfen beglückt den ersten Hang hinauf. Der Blick gen Westen öffnet sich. Aus einer völlig ungewohnten Perspektive schauen wir aufs Estergebirge. Den Krottenkopf und die Weilheimer Hütte können wir ausmachen, weiter rechts die Hohe Kisten, die ich aus dem letzten Sommer kenne.

Direkt unterhalb des Gipfels ist wiederum alles recht ausgeapert. Der Grashang wartet darauf, sein grünes Gewand anzulegen. Nur noch flink ein paar Meter durch die Latschen geschlüpft und wir stehen am Gipfelkreuz. Inzwischen kommen immer mehr Wanderer den Berg hinauf. Jeder findet ein Plätzchen. Wir lassen den Blick schweifen und die Seele baumeln.

Auf dem Rückweg sind nun wir es, die an der Diensthütte gleich noch mal ein Sonnenpäuschen einlegen. Absolut windgeschützt. Absolut traumhaft. Diese Glückshormone reichen wieder einige Tage!

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