Bergsofa Vermischtes

Buchtipp „Reinhold Messner. Selbstversorger & Bergbauer“

Alternative Konzepte für ein selbstbestimmtes Leben in den Alpen

Gut Ding hat Weile. Auch in Südtirol. Wenn alles einigermaßen glatt läuft, dann soll nun im Juli 2015 am Kronplatz, oberhalb von Bruneck, mit dem Corones das sechste und letzte Bergmuseum von Reinhold Messner eröffnet werden.

MMM – diese Buchstaben stehen für das Messner Mountain Museum, ein sechsteiliges Museumskonzept. Vor knapp zwei Jahrzehnten startete Reinhold Messner dieses Projekt, jetzt kommt es zu einem Abschluss. Diese sechs Südtiroler Museen – Firmian, Ortles, Juval, Dolomites, Riva und nun eben Corones – sind zu wichtigen Begegnungsräumen geworden. Sie erzählen aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln Geschichten und Geschichte rund um den Berg.

Die Geschichte hinter der Geschichte, wenn man so will, erzählt Messners Tochter Magdalena in ihrem Buch „Reinhold Messner. Selbstversorger & Bergbauer“. Denn der großformatige Band ist den Selbstversorger-Projekten ihres Vaters gewidmet. – Den Museen als kulturelle Selbstversorger genauso, wie den einst mitunter recht heruntergekommenen Bergbauernhöfen oder den neuen Betriebsideen. Reinhold Messner hat ihnen mit großem Engagement neues oder überhaupt erstes Leben eingehaucht; er und seine Pächter warten dort inzwischen mit Wein, Yakfleisch und allerlei aus dem Bauerngarten auf.

Der Bergsteiger hat sich so auch einen Namen gemacht als der wohl berühmteste Bergbauer der Welt. 1983 erwarb er mit Juval eine Halbruine, stoppte ihren weiteren Verfall, machte daraus den Sommerwohnsitz der Familie und öffnet die Burganlage jedes Jahr für die Gäste.

(c) BLV Buchverlag
(c) BLV Buchverlag

Auch wird seither – jenseits mitunter romantisierender Zurück-zur-Natur-Moden – im eigenen Garten allerlei angebaut; im Sommer und Herbst verarbeitet und getauscht. Im Buch heißt es: „Juval ist der erfolgreiche Versuch, Natur, Kultur, Landwirtschaft und Gastronomie auf schonende und nachhaltige Weise miteinander zu verbinden, und auch meine Familie lebt auf diese Weise autark: Obst, Gemüse, Kräuter und Gewürze wachsen zur Genüge in den Schlossgärten; Eier und Fleisch sowie Wein werden von den Pächtern bezogen; das Holz aus dem Wald geholt. In Krisenzeiten wäre man damit völlig eigenständig überlebensfähig.“

Im Buch wird schnell klar: Um regionale Strukturen zu erhalten und wieder zu beleben bedarf es Visionen und Vorbilder. Und es bedarf der Unterstützung durch die Familie und vieler Menschen ringsum.

Magdalena Messners Buch ermöglicht einen ganz besonderen Blick hinter die Kulissen. Hinter denen – soweit, so normal – natürlich auch weder alles eitel Sonnenschein ist, noch alles immer ganz leicht über die Bühne geht. Wo aber, und das ist das eigentlich Besondere, eine extra-große Portion familiärer Wärme mitzuschwingen scheint. Ebenso wie ein besonderes Maß an gegenseitigem Vertrauen zwischen Eigentümer und Pächter, Visionär und Begeisterten.

Landidylle bleibt Wunschdenken
Landidylle bleibt Wunschdenken

Das Spannende am Buch: Zu Wort kommen vor allem auch die Hofpächter und Museumsmitarbeiter. Sie plaudern mit der Autorin über ihre Anfänge in den jeweiligen (Lebens-)Projekten, über Hindernisse und Bedenken, über gemeinsame Lösungen und Zukunftsideen. Fast ist es, als säße man gemeinsam mit ihnen bei einer Flasche Wasser oder Wein am Stubentisch; oder als stünde man im Freien und hielte einen kleinen Plausch über den Gartenzaun.

Und so erzählt die Tochter nicht nur über die Selbstversorger-Projekte des Vaters, sondern vor allem auch über die Kraft des Vertrauens innerhalb einer inzwischen, so wirkt es, eingeschworenen Gemeinschaft mit ähnlichen Werten. Von den Energien, die sich daraus entwickeln. Und der Erfüllung, weitest möglich selbstbestimmt und unabhängig in der heimatlichen Kulturlandschaft der Alpen zu agieren.

„Reinhold Messner. Selbstversorger & Bergbauer“ von Magdalena Maria Messner ist beim BLV Buchverlag erschie­nen. Umfang 160 Seiten, gebunden. In jedem Buchladen oder beim Verlag für 39,99 Euro (D) zu bestel­len. ISBN: 978–3–8354–1307–8.

Übrigens: Wer sich selbst ein Bild vom Konzept des Messner Mountain Museum oder von den Bergbauernhöfen machen möchte – die Saison ist teilweise schon eröffnet. Einen guten ersten Einblick in die vielfältigen Museumsthemen gibt’s auf Schloss Sigmundskron, im MMM Firmian.

MMM Firmian auf Schloss Sigmundskron - quasi das Herzstück des Messner Mountain Museum-Konzepts
MMM Firmian auf Schloss Sigmundskron – quasi das Herzstück des Messner Mountain Museum-Konzepts

 

Das Buch „Reinhold Messner. Selbstversorger & Bergbauer“ hat mir der BLV Buchverlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. 

 

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