Gedanken am Wege Vermischtes

Bergliebe, die

(Wortart: Substantiv, feminin; lokal auch: Alpenliebe)

Manchen Gefühlen kannst du dich nicht entziehen. Sie überwältigen dich. Unvorbereitet. Durch die Hintertür.

Du fühlst dich benommen. Aufgewühlt. Ergriffen. Du versuchst, deine anhaltende Euphorie in logische Sätze zu packen. Es will dir nicht recht gelingen.

Von anderen hörst du die Frage „Was war der Auslöser?“ – Beim besten Willen, das ist nicht leicht zu beantworten: War es vielleicht dieses erste Mal, dass du in „richtigen“ Bergen warst? War es das erste Murmeltier, das du hast pfeifen hören? War es einer dieser besonderen Sonnenaufgänge? Oder die Übernachtung auf dieser außergewöhnlichen Berghütte? Das Panorama während dieser oder jener Wanderung?

„Es ist Unsinn, sagt die Vernunft.“

… was es solle, immer und immer wieder in die Berge zu gehen?, wollen andere von dir wissen. Und auch du stellst dir die Frage hin und wieder selbst. Warum tust du dir diese ganzen Höhenmeter an? Zu Fuß, mit dem Rad, auf Schneeschuhen oder Ski. Bei Sonnenschein und bei Regen, bei Wind und bei Schneefall.

Zweifel kommen auf. Du lässt sie zu. Manchmal bleibst du dann auch einfach nur daheim. Erschöpft. Und doch weißt du: Ohne diese Tage da draußen in der Natur kannst du auch nicht. Denn die Momente in den Bergen geben dir viel. Vieles, das sich auch nach Jahren nicht so einfach in Worte fassen lässt:

Du erlebst, wie es ist, nach mühsamen Höhenmetern oben anzukommen – und alle Anstrengung zu vergessen, kaum dass sich das Gipfelpanorama auftut. Glückshormone jagen durch deinen Körper. Du fühlst ein Ganz-bei-dir-Sein. Du bist heiter. Selig. Manchmal gar berauscht.

„Es ist, was es ist. Sagt die Liebe.“

Selbst unten, im Tal, findest du immer wieder Dinge, die deine Aufmerksamkeit erregen. Du erfährst Neues. Du entdeckst dir Unbekanntes, das du näher kennenlernen und verstehen möchtest. Es gibt Details, die dir nicht gefallen. An denen du dich reibst. Mit denen du aber umzugehen lernst. Denn das Gebirge lässt dir keine Ruhe.

Du kennst das? Dann hat dich ganz klar die Bergliebe erfasst …

Dieser Artikel ist Teil der „Leidenschaft“-Blogparade der Ironblogger München. Jeden Tag stellt ein anderer Blogger (s)eine Leidenschaft vor. Gestern hat Alexander in seinem Künstlertagebuch einen wunderbar persönlichen Text geschrieben und dabei sogar den Bogen vom Drucken zu den Bergen geschlagen – chapeau. Den Staffelstab übergebe ich nun an Claudia

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