Deutschland Über Land

Auszeit in Grün

Blick vom Rödel auf Freyburg

Eine Wanderung auf den Rödel bei Freyburg

Irgendwann hatte ich es mir angewöhnt, möglichst jedes Mal, wenn ich eine mir bis dahin unbekannte Stadt besichtigte, dort auch eine Wanderung zu machen. Ob das nun eine Stadtwanderung im engeren Sinne sein würde, eine in einem ausgedehnten Landschaftspark oder eben gleich vor den Toren dieses Ortes, ist dabei eigentlich zweitrangig.

Im Kern geht es wohl darum, mich langsam und mit offenen Sinnen durch weniger oder mehr Grün zu bewegen. Darum, mir Zeit zu nehmen, eine Stadt nicht nur wie allzu oft als laut und betriebsam, ja oft genug sogar hektisch wahrzunehmen. Sondern immer wieder auch Plätze zu finden, deren Stille am ehesten noch durch den kecken Ruf des Kuckucks oder das regelmäßige Zirpen von Grashüpfern durchdrungen wird.

Nun schien Freyburg bei meinem Besuch weit davon entfernt, durch sonderliche Hektik aufzufallen und eigentlich sollte man denken, dass es somit auch gar keiner besonders stillen Momente bedürfte. Doch schon einige Tage zuvor hatte ich einen kleinen roten Punkt in meiner digitalen Landkarte entdeckt: vis-à-vis des Unstrut-Städtchens, auf dem Rödel, sollte es Orchideen in Hülle und Fülle geben. Außerdem noch eine Herde Koniks.

Orchideen und Koniks, Koniks und Orchideen … mit Sicherheit hätten schon die einen oder die anderen ausgereicht, mich die hundert Höhenmeter von der Unstrut hinauflaufen zu lassen. Im gemischten Doppel war’s umso spannender. Dazu noch, als Balsam für die Augen, der weite, unverbaute Blick über die sanft gewellten, saftig grünen Hügelketten. – Fertig war eine kleine Auszeit par excellence.

Sanft gewellt – der südliche Burgenlandkreis – Blick vom Rödel.

Zum Nachwandern

Wo und was: Auf der einen Seite der Unstrut Freyburg, auf der anderen Seite der Rödel. An den Hängen viel Wald, auf der langgezogenen Kuppe ein Wiesenplateau. Große Teile des Rödel gehören zum Naturschutzgebiet „Tote Täler“. Geschützt werden die Flächen vor allem, da sich hier wertvolle Trocken- und Halbtrockenrasen finden, die ein idealer Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere sind. Letztlich waren es menschliche Aktivitäten, die über Jahrhunderte diese wertvolle Kulturlandschaft entstehen ließ: Schon seit dem 13. Jahrhundert wurde am Rödel Kalkstein abgebaut, der unter anderem auch für den Naumburger Dom verwendet wurde. Tiere wurden auf die Weide getrieben und Wein angebaut, wovon Spuren wie Mauerreste, Terrassen oder einzelne Rebstöcke zeugen. Zuletzt, bis 1992, war der nördliche Teil des Rödel militärisch genutzt, als Panzerfahrgelände. Um die Kalkmagerrasen mit ihren arten- und individuenreichen Orchideenvorkommen und auch anderen akut gefährdeten Arten zu erhalten, wurden später wieder einerseits Ziegen, seit 2009 dann vor allem die Wildpferde auf die Weide gelassen.

Hin und Weg: Am besten erwandert man den Rödel. Mit dem Auto anreisend, lässt sich beispielsweise von Balgstädt kommend auf dem Wanderparkplatz im Hasselbachtal parken und dort starten. Eine größere Flexibilität erlaubt die Anreise mit der Bahn: Den Rödel umfließt die Unstrut in einem großen Bogen, direkt daneben verläuft die Bahnlinie; für gewöhnlich verkehrt der Zug stündlich. Ausgehend von den vier Bahnhöfen Roßbach, Kleinjena, Freyburg und Balgstädt ergeben sich vielfältige kürze oder auch längere Tourenmöglichkeiten. Die Wanderung von Freyburg über das Rödelplateau und hinunter nach Balgstädt ist beispielsweise acht Kilometer lang.

Weitere Alternativen: Wer ein Rad zur Hand hat, kann sich auch von Naumburg aus ein Bike-&-Hike zusammenstellen.

Die Orchideen: Orchideen gelten als positiver Indikator, wenn es um einigermaßen intakte Natur geht. Auf dem Rödel haben Biologen 25 Orchideenarten gefunden, allesamt streng geschützt. Eine besonders gute Zeit, um viele Orchideen in den Hanglagen präsentiert zu bekommen, ist im Mai/Juni. Ein eigener „Orchideenpfad“ ist ausgewiesen – um die Pflanzen zu schützen, unbedingt auf dem gekennzeichneten Weg bleiben!

Auf dem Orchideenpfad am Rödel.
Auf dem Orchideenpfad am Rödel.

Die Koniks: Für gewöhnlich um die 30 Tiere. Neben den Przewalski-Pferden sind die Koniks eine der letzten wildlebenden Pferderassen. Die robusten, kleinen Tiere übernehmen heute in vielen Schutzgebieten die Landschaftspflege.

Transparenzhinweis: Die Recherchereise hat Saale-Unstrut-Tourismus unterstützt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.