Rückblick durch die Dünen

Auf dem Dünenwanderweg auf Amrum 

„Der Wind steht schief.

Die Luft aus Eis.

Die Möwen kreischen stur.

Elemente duellieren sich …“

… Herbert Grönemeyers Text wirbelt in den Sinn. Genau wegen dieser Elemente. Nicht weniger, nicht mehr. Zwar scheinen sie gerade Waffenruhe vereinbart zu haben, für ein paar wenige Stunden nur. Doch sie werden schon bald wieder kämpfen, das ist sicher. Derweil in Endlosschleife die melancholisch-kraftvolle Melodie im Kopf. 

Dort, wo in einer Kurve der Waasterstigh die Inselstraße abgelöst; wo sich der Leuchtturm gen Himmel reckt, an ihm vorbei ein Weg zum Kniepsand und zum trotz Ebbe hoch stehenden Meer führt, dort zeigt ein Wegweiser nach Süden. 

Die Dünen nicht zu betreten ist für gewöhnlich das A und O, wo das raue Meer aufs Land trifft. Anders auf einem gut einen Kilometer langen Pfad durch die Amrumer Dünen. 

Der Wind hat an diesem Vormittag nahezu jedes Anzeichen menschlicher Anwesenheit getilgt. So, als wollte die Natur uns vorgaukeln, dass wir die überhaupt Ersten seien, die dem Wegweiser folgten. Nur an besonders windgeschützten Stellen sind andere Spuren auszumachen, Abdrücke von Wanderschuhen – gestern? heute Morgen? – uns voraus Gehender. 

Ein Kilometer durch die Dünen, in denen alles entrückt wirkt: Kaum dass der hier und da mit Holzpfählen markierte Weg in einem Dünental verschwindet, verschwindet auch der Leuchtturm aus dem Rück- und Um-Blickfeld. Dann wieder Millionen feinster Sandkörner, die der Wind aufwirbelt, horizontal vor sich hertreibt, Wollmütze und Kapuze der Jacke weiter ins Gesicht ziehen lässt. 

Wollte man etwas aus sich herausschreien – ganz gleich, ob zorngeladen oder verzweifelt – und doch ganz für sich behalten, hier und heute wäre ein passender Moment. Alles würde geschluckt, getilgt vom großen Blasen der Natur. 

Nach gut einem Kilometer geht der malmende Sand in festeren Untergrund über; erst zaghaft, dann immer deutlicher zeichnen sich unter den weißgelblichen Verwehungen verwitterte Holzplanken ab, bis sie sich zu einem Bohlenweg mausern. Dieser führt am Wriakshörnsee vorbei und weiter nach Wittdün. 

Rückblick aus südlicher Richtung zum Dünenwanderweg

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