Gedanken am Wege Vermischtes

Kultur ist für mich …

Nationalpark Bayerischer Wald: Filz (Hochmoor)

… auch gesellschaftliches Bewusstsein & Übereinkommen

„Die Suizid-Rate ist bei Kulturwissenschaftlern höher als bei anderen Studierenden.“ Und: „Es gibt nicht die eine Definition von Kultur.“ – Zwei Sätze, die ich quasi in den ersten zwei Vorlesungen meines Studiums zu hören bekam. Später dachte ich mir: Vielleicht hängt ja das eine mit dem anderen zusammen. Denn es scheint doch wie ein Sisyphos-haftes Unterfangen, vier Jahre und mehr Kulturwissenschaften zu studieren. Und letztlich das Studienobjekt doch nur unvollständig erklären zu können. „Er scheiterte an der Definition. Und sprang.“ – So könnte der Nachruf lauten.

Ich folge am liebsten einer extrem weit gefassten Definition. Wonach Kultur all das ist, was vom Menschen gestaltet wurde. Natur ist dann der Rest. Übertragen auf meinen Blog beschreibe ich das eine immer als die Berg-, das andere als die Talthemen: Gipfel, Pflanzen und Tiere hier; Museen, Buchtipps und Weißwurstäquator dort. Weshalb dieses Themen-Potpourri auch KulturNatur heißt.

Doch selbst eine derart weit gefasste Definition von Kultur hat ihre Schwächen. Denn wo genau lässt sich zum Beispiel in einem Nationalpark die Grenze zwischen Kultur und Natur ziehen? Sagen wir mal: im Osten Bayerns? 1970 wurde dort der Nationalpark Bayerischer Wald gegründet. Als erster seiner Art in Deutschland. Seither gilt das Credo: „Natur Natur sein lassen.“

Nationalpark Bayerischer Wald: Filz (Hochmoor)
Nationalpark Bayerischer Wald: Filz (Hochmoor)

Wie ist das also dort? Wenn ich mich in der Kernzone des Nationalparks aufhalte, wo ausdrücklich nicht mehr eingegriffen wird? Wo Bäume wachsen und fallen, wie sie wollen? – Befinde ich mich dort, auf dem Holzbohlenweg, der vorbei an einigen Info-Tafeln durch das Hochmoor führt, in der „Kultur“ (weil vom Menschen gestaltet)? Und befände ich mich, würde ich einen Meter nach rechts oder links treten, in der „Natur“ (weil nicht mehr vom Menschen verändert)?

Denkbar wäre ja: Nebelfetzen-gleich wabert das kulturelle Bewusstsein ein paar Meter links und rechts des Wegs in eine Übergangszone hinein, bevor es sich in der Weite dieser durch nationale Rechtsvorschriften ganz klar umrissenen Natur verliert. Oder erfasst das gesellschaftliche Bewusstsein gar jeden Quadratmeter des Nationalparks?

Ist nicht die allermeiste sogenannte Natur (zumindest in Mitteleuropa) heutzutage auch Teil der Kultur? Als Ort eines ganz bewussten gesellschaftliches Übereinkommens, dass die Natur sich hier ihr selbst genügen darf; dass hier nicht mehr durch den Menschen eingegriffen wird.

Es ist und bleibt vertrackt. Vielleicht nähere ich mich bei Gelegenheit ja mal von der anderen Seite dem Thema. Da heißt es dann: „Natur ist für mich …“

Nationalpark Bayerischer Wald: Schachten
Nationalpark Bayerischer Wald: Schachten

Dieser Artikel ist Teil der Blogparade “Kultur ist für mich …”, initiiert von Kulturbloggerin Tanja Praske. Noch bis zum 30. Juni 2015 haben Blogger die Möglichkeit, mit einem eigenen Beitrag an der Blogparade teilzunehmen. Auf Twitter kannst Du dem ganzen unter #KultDef folgen.

Nationalpark Bayerischer Wald - Pfade und Wege
Nationalpark Bayerischer Wald – Pfade und Wege

 

 

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