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Einmal Sauna mit Gletscherblick, bitte

>Nadine Nadine
Dezember 19, 2013

Wellness-Abend auf der Rudolfshütte

Große Panoramascheiben, die Welten trennen: Drinnen ist die Luft feucht und heiß. Sauna-Wohlfühltemperaturen. Draußen bläst ein trockener Abendwind über den Gletscher.

Die Belohnung nach einem langen Wandertag könnte schöner und entspannender nicht sein. Dabei können wir von Glück reden. Dass wir stattdessen nicht ins Tal absteigen, oder zur nächsten – mehr als vier Stunden entfernten – Hütte weiterlaufen mussten.

Nun haben wir eine amüsant-außergewöhnliche Misch-Erlebniswelt, wie man sie selten erlebt: Wir nächtigen das erste Mal in einem Notlager. Und genießen gleichzeitig alle Annehmlichkeiten einer kleinen Wellness-Berg-Oase: Einige kleine Runden im Hallenbad drehen, in der Sauna genüsslich jeden einzelnen Muskel lockern, zwischen den Saunagängen auf einer der angenehm warmen Steinliegen im Ruheraum dahindösen, den heutigen Weg Revue passieren lassen – und immer wieder in die Bergwelt schauen.

Tag Drei unserer Glocknerumrundung. Wir hatten vorab nicht reserviert. Schließlich hatte die Nebensaison bereits begonnen. Außerdem war das Wetter vor Aufbruch zu unserer Tour unstabil, so dass erst in letzter Sekunde entschieden war, auf welcher Hütte wir einsteigen wollten.

Doch das Berghotel Rudolfshütte ist hoffnungslos überbucht. Der Empfangsmitarbeiterin ist es sichtlich unangenehm, uns nicht mal mehr im Bergsteigerlager unterzubringen, sondern uns nur noch ein provisorisches Notlager geben zu können. Wir hingegen sind einfach nur froh, denn die eingangs erwähnten Alternativen sind nach einer achtstündigen Wanderung nicht wirklich Alternativen.

Rudolfshütte.1Das Hotel befindet sich im September 2013 in einer größeren Erweiterungsphase, bei der – irgendwie, ganz klar ist das beim jetzigen Baustand noch nicht – auch ein Informationszentrum des Nationalparks Hohe Tauern integriert wird. Der Raum, in dem wir schlafen, ist als Küche und Aufenthaltsraum für die Bergsteiger angedacht. Noch aber ist vieles – zumindest vor dem Raum – eher eine Baustelle, die vor der nächsten Wintersaison fertig sein soll. Doch wir sind mehr als selig. Kaum vorzustellen, wie wunderbar man auf so einer Baustelle schlafen kann!

Die ursprüngliche Schutzhütte hier oben, auf 2.315m, wurde vom österreichischen Alpenverein erbaut. Später, nach dem Bau des Weißsee-Speichers als „Alpinzentrum Hohe Tauern – Rudolfshütte“ neu errichtet. 2004 wurde die Anlage privat übernommen und seither als Dreisterne-Hotel geführt. Hinauf kommt man nur mit der Seilbahn. Oder zu Fuß.

Als Wanderer hat man bis heute die Wahl, ob man lieber im Hüttenlager im alten Gebäude nächtigen möchte. Oder ob man den Komfort des Hotels und das Halbpensions-Angebot nutzt. Dabei ist der Charme der eher funktionalen, großen Speiseräume schnell vergessen, wenn man nach dem Abendessen geschwind hinüberwechselt in die komfortablen Sessel der weitläufigen Lounge. Und dort – wieder an großen Panoramascheiben – mit Mitwanderern und anderen Gästen den Lauf der (Gletscher-)Welt bespricht.

Fazit: Es kann schon sein, dass man als Mehrtageswanderer vor der Tour überlegt, ob es hier oben im Vergleich zu herkömmlichen Berghütten nicht alles ein bisschen zu groß und wenig heimelig ist. Natürlich gibt es abgeschiedenere, naturbelassenere Fleckchen in den Alpen. Man braucht sich jedoch nicht „schrecken“ lassen. Wir haben ein sehr freundliches, hilfsbereites Team kennengelernt und uns wohl gefühlt. Und: Auch wenn der Wegweiser in der Größe dem Hotel ins nichts nachsteht. – Der Trubel auf den Wanderwegen reicht nicht sonderlich weit.

An der Rudolfshütte - Hohe Tauern

Viele Wege kannst Du geh’n: An der Rudolfshütte – Hohe Tauern

 

 

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