Uncategorized

Tipps für die Alpenüberquerung vom Marien- zum Markusplatz

25. Januar 2016
Alpenüberquerung Deutschland Italien

Entspannt von München nach Venedig

Selbst, wer sich einigermaßen routiniert im Rucksack-Packen und Alpen-Gehen nennen darf, steht bei jeder neuen mehrtägigen Wanderung wieder vor spezifischen Fragen, die er sich bisher so noch nicht gestellt hat. Hier einige Planungshilfen.

Wer die Wahl hat, hat die Qual – Die Wanderführer

Aktuell gibt es vor allem drei relevante Wanderführer, mit denen du dich vorbereiten kannst und die du unterwegs sehen wirst: einen von Bruckmann, einen von Dumont und einen von Rother. Die meisten Wanderer habe ich im Sommer 2015 mit dem Rother-Wanderführer gesehen (und bin selbst auch mit dem Rother-Führer gewandert), er beantwortet dir alle möglichen und unmöglichen Fragen.

Vor allem für Familien dürfte das Buch „Mit zwei Elefanten über die Alpen“ interessant sein. Der Autor beschreibt darin seine Wanderung nach Venedig, zu der er gemeinsam mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen aufgebrochen ist.

Wanderführer Rother

Aller Anfang ist schwer – Die Etappen

Laut „klassischer“ Etappenaufteilung, der auch der Rother-Wanderführer folgt, geht es am ersten Tag von München nach Wolfratshausen. Dann nach Bad Tölz, zur Tutzinger Hütte und nach Vorderriß, von dort erstmals in echte alpine Umgebung.

Andere Führer schlagen von vorneherein eine etwas abgewandelte Etappenführung vor: Statt am ersten Tag nach Wolfratshausen zu laufen, wird ein Stop in Schäftlarn vorgeschlagen. Entsprechend verschieben sich die anderen Etappen etwas; bis zum Karwendelhaus ist man einen Tag länger unterwegs.

Vorteil dieser alternativen Führung: Der erste Tag wird von etwa 35 Kilometer um etwa zehn Kilometer kürzer. Gerade am ersten Tag einer solchen Wanderung macht das einen entscheidenden Unterschied.

Wir haben uns für die klassische Aufteilung entschieden (der Berg ruft, wer will sich da schon ewig in der Ebene aufhalten?!). Sollte ich die Strecke nochmal laufen, würde ich wohl die kürzere Strecke bevorzugen.

Grundsätzlich stellt sich die Frage: Muss es überhaupt in München losgehen? – Eine gewisse Faszination ist’s schon, die Strecke tatsächlich vom Marienplatz bis zum Markusplatz zu wandern. Allerdings: Wer sagt, dass es nicht auch schon an der eigenen Haustür losgehen kann? Münchner laufen als erstes wahrscheinlich trotzdem zum Marienplatz. Wer aber von außerhalb kommt, der kann genauso gut dort starten und findet früher oder später auf den „eigentlichen“ Weg. Oder, falls man von weit weg anreist, geht man vielleicht erst ab Bad Tölz oder Lenggries.

Zusammen sind wir weniger allein – solo, als Paar oder in der Gruppe

(Die Frage des generell höheren Risikos im Falle eines Unfalls mal außen vor gelassen) – Für wen sich die Frage stellt: Solo, auch als Frau, ist die Strecke offensichtlich gut zu gehen. Wir haben mehrere Solo-Wanderer getroffen, die allesamt zufrieden mit ihrer Entscheidung klangen. Ganz nach persönlichem Geschmack waren sie streckenweise allein unterwegs oder haben sich eben auch mal anderen angeschlossen.

Die neuen Schuhe drücken am meisten – Das Fußwerk

Zur Frage nach den richtigen Schuhen für die Alpenüberquerung ließen sich wahrscheinlich ganze Buchkapitel füllen. Anders als auf inneralpinen Überquerungen, bei denen man „einfach“ seinen Wanderschuh oder –stiefel anzieht, muss man für den Weg von München nach Venedig im Kopf behalten, dass man fast einige (lange) Tage in der Ebene und auf Asphalt läuft. Da können die gewöhnlichen Bergschuhe schnell zu schwer sein.

Es gibt Wanderer wie Marco aus Kopenhagen, die gehen mit Sandalen über die Alpen. Für die meisten wird dies keine Option sein. Also, welche Bergschuhe? Griffig sollten sie sein. Meine Empfehlung: Lieber etwas weicher als zu hart. Es muss im Normalfall kein Grödel o.ä. an den Schuh, also braucht’s auch keine zu steife Sohle. Diese stört bloß in der Ebene und sorgt im Zweifelsfall für Blasen. Ansonsten: Eine Sandale ist für kurze Strecken nicht verkehrt.

Mit einer B/C-Kategorie (konkret: dem Meindl Island) bin ich wunderbar gelaufen. Hin und wieder haben wir’s – vor allem die letzten Tage vor Venedig – mit Sandalen probiert. Allerdings meist nur für wenige Kilometer, da es sich mit dem Rucksack auf dem Rücken doch meist nicht so ideal in einem offenen Schuh läuft …

An der Adria! - Ein paar Kilometer barfuß.

An der Adria! – Ein paar Kilometer barfuß.

Platz ist (meist) in der kleinsten Hütte – Die Unterkünfte

Einen Großteil der Nächte wirst du in Alpenvereinshütten übernachten. In den ersten und auch in den letzten Tagen auch in Pensionen oder kleinen Hotels. Abseits der Alpenvereinshütten macht es durchaus Sinn, (frühzeitig) nach einer Unterkunft zu schauen. Tölz stellt sich überraschenderweise etwas als Engpass dar, was Unterkünfte angeht, die für Wanderer in Frage kommen (viele Angebote sind deutlich teurer als man es sonst auf der Wanderung erlebt.) Selbstredend: Venedig sollte man im Idealfall frühzeitig buchen, damit das Preis-Genuss-Verhältnis auch nur annähernd passt.

Auf Alpenvereinshütten ist lange Vorausplanung nur bedingt sinnvoll. Eventuell will man unbedingt auf einer ganz bestimmten Hütte übernachten (wie wir zum Beispiel, auf einem kleinen Seitensprung, auf dem Piz Boè). Ansonsten heißt meine Empfehlung: Vielleicht die ersten zwei, drei Hütten fest buchen und dann immer etwas weiter planen. Schnell kann auch allzu schlechtes Wetter oder ein umgeknickter Fuß zum Umplanen zwingen. In diesem Fall ist man froh, nicht schon fest reserviert zu haben. Falls du frühzeitig weißt, dass du deine Reservierung nicht einhalten kannst, sei so fair und gib nach Möglichkeit auf der Hütte Bescheid. Die Wirte (und andere Wanderer) sind froh, wenn sie die Betten wieder frühzeitig neu vergeben können. Falls es auf einer Hütte richtig voll ist – was vor allem in den Zillertaler Alpen und in den Dolomiten während der Sommerferien der Fall sein kann – rechne mit einem Notlager. Das heißt meist, dass du mit einer Matratze auf dem Flur oder auf einer Bank im Gastraum Vorlieb nehmen musst.

Aufbruchstimmung an der Schlüterhütte

Aufbruchstimmung an der Schlüterhütte

Money, money, money – Die Bezahlung

Auf den meisten Alpenvereinshütten kannst du nach wie vor nur bar bezahlen. An Automaten kommst du in kleinen Talgemeinden eher selten vorbei. Nimm daher genügend Bargeld mit!

Zwei Fragen, die sich wahrscheinlich noch stellen:

Dein Rucksack sollte – als Richtwert – im Idealfall nicht mehr als 8 bis 10 Kilo wiegen. Inklusive Wasser. Falls du Technik mitnimmst, wird sie zu Buche schlagen. Hier meine Packliste für München-Venedig.

Ein Klettersteigset braucht’s am ehesten an der Schiara. Falls man dort auf direkten Weg absteigen will. Die Alternativ lässt sich, wie hier beschrieben, die Schiara im Osten wunderbar umgehen.

Ansonsten habe ich in diesem Artikel weitere Tipps für die Alpenüberquerung zusammengefasst. Der Fokus liegt zwar auf dem E5, aber einiges Allgemeines ist auch dabei.

 

Kommentiere als Erster diesen Beitrag

Schreibe einen Kommentar