Bergauf

Alternativen zur kniffligsten Stelle auf der Wanderung von München nach Venedig

4. Januar 2016
München-Venedig

Die etwas längere Schiara-Ostumgehung

„Und was machen wir mit der Schiara?“ – Wie für die wahrscheinlich meisten München-Venedig-Wanderer hat sich auch uns diese Frage schnell gestellt, kaum dass wir ein wenig mit dem genauen Wegverlauf vom Marienplatz zum Markusplatz beschäftigt hatten.

Die Herausforderung: Kurz vor Belluno – also nach etwa drei von vier Wochen Wegstrecke – bildet die Schiara den südlichen Abschluss der Dolomiten. Um auf „direktem“ Weg vom Berg zu kommen, muss man rund 600 Höhenmeter absteigen. Es gibt keine Wanderwege, nur Klettersteige. Vor dem Begehen bei instabilem Wetter wird gewarnt. Außerdem stellt sich für die meisten München-Venedig-Wanderer die Frage nach einem Klettersteigset. (Das wiederum bedeutet entweder zusätzliches Rucksack-Gewicht und -Volumen auf dem ganzen Weg. Oder zumindest etwas Organisation: Der Wirt des Rifugio San Sebastiano, das man zwei Tage zuvor am Passo Duran erreicht, gilt als zuverlässige Adresse, wenn man sein Klettersteig-Set vorausschicken will.)

Unsere Entscheidung: Ziemlich schnell stand für uns fest, dass wir nicht über die Schiara absteigen wollten.

Die Alternativen: Wir durchforsteten ein wenig das Internet und suchten nach anderen Möglichkeiten, um auf möglichst elegantem Weg nach Belluno zu gelangen. Auch die Tabacco-Karte konsultierten wir. Die Alternativen lauten: Westumgehung sowie Ostumgehung der Schiara.

Die Westumgehung der Schiara: Wird klassisch in den Wanderführern empfohlen für alle, die aus welchem Grund auch immer nicht über die Schiara absteigen wollen oder können. Vom Rifugio Pian de Fontana läuft man dazu zunächst ein Stück nach Süden und biegt später nach Westen ab. Im Tal führt eine Straße Richtung Belluno, man nimmt für diesen Abschnitt wohl besser den Bus, da es viel Verkehr auf der Straße gibt. Das Fazit eines (Mit-)Wanderers, der zu Fuß an der Straße entlanggelaufen ist: „Das war wahrscheinlich gefährlicher als ungesichert die Schiara zu gehen …“

Die Ostumgehung der Schiara: Ein Blick in die Karte zeigt, dass es eine Ostumgehung zum Rifugio 7 Alpini gibt. Die Krux: Man steigt vom Rifugio Pian de Fontana zunächst einige hundert Höhenmeter ab, um dann wieder 1.800 Höhenmeter aufzusteigen. Im Winter 2008/2009 sind die Wege an mehreren Stellen durch Lawinen in Mitleidenschaft gezogen worden. Es gibt jedes Jahr einzelne München-Venedig-Wanderer, die die Ostumgehung machen; die Beiträge haben den Tenor „Mit Erfahrung machbar. Sehr kräftezehrend.“

Unsere Überlegung: Nach Möglichkeit sollte es ohne Verkehrsmittel nach Venedig gehen. Die Westumgehung war daher unsere unliebsamste Option. Auf die Ostumgehung schauten wir lang. Aber wir fanden für uns einfach kein vernünftiges Argument, warum wir in Anbetracht der Wegsituation überhaupt wieder rauf zum Rifugio 7 Alpini gehen sollten. Um nochmals auf einer Hütte zu schlafen? Um möglichst nah am „Originalweg“ zu sein? Einige Tage vor der Schiara fanden wir eine Lösung:

Alpenüberquerung München - VenedigUnsere alternative Alternative: Der Abstieg nach Longarone erschien uns geeignet, von dort weiter nach Belluno. Dieser Weg lässt sich an einem langen Tag machen. Oder, bequemer aufgeteilt, in zwei Tagen – mit einer Übernachtung in Longarone. (In jedem Fall lohnenswert für Geschichts-Interessierte, wegen des Museums zum Staudamm-Unglücks von Vajont, bei dem im Jahr 1963 das Dorf Longarone von einer riesigen Flutwelle weggerissen wurde und fast 2.000 Menschen starben.)

In der Tabacco-Karte (#024 und #025) lässt sich die alternative Ostumgehung der Schiara leicht ausmachen: Vom Rifugio Pian de Fontana nimmt man den Weg 520 und weiter nach Osten nach Soffranco; dann auf einer alten Fahrstraße nach Longarone. Von dort geht es am nächsten Tag nach Belluno – weitestgehend autofrei. Und wenn’s doch mal kurz an einer befahrenen Straße entlang geht, dann mit Gehweg.

Dieser alternative Weg nach Belluno erschien uns ebenso empfehlenswert wie logisch, dass es überrascht, dass er in den Führern und auch online bisher nicht auftaucht (oder uns zumindest nicht aufgefallen) ist.

Tipps zum Kartenmaterial etc. findest du in diesem Artikel. Es ist ratsam, außerdem immer wieder mit den Hüttenwirten zu sprechen. Sie wissen häufig sehr gut um den aktuellen Zustand der Wege.

Was bleibt: Der Wunsch, irgendwann die Schiara zu gehen. Einfach mal ohne das ganze München-Venedig-Gepäck. Und gerne im Aufstieg.

 

Hast du auch schon vor der Frage „Was machen wir mit der Schiara?“ gestanden? Kannst du weitere Tipps geben? – Schreib doch einfach einen Kommentar. 

Schiara-Ostumgehung extended: Auf dem Weg von Soffranco nach Longarone

Schiara-Ostumgehung extended: Auf dem Weg von Soffranco nach Longarone

 

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5 Kommentare

  • Reply Renate Frey 12. Juni 2016

    Ich bin 2013 südlich von Augsburg losgegangen und war dann am 14.Tag im Rif. Pian de Fontana. Bin dann auch die Ostumgehung zum No. 7 gegangen. Aus besagten Gründen, wie du. Die Wege waren markiert aber schwierig zu finden und ich war froh, dass niemand zum ratschen da war. Sonst ist man zu abgelenkt. Es war anstrengend und steil bergauf bergab, aber wunderschön. Liebe Grüsse. Renate Frey

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    • NOA
      Reply NOA 12. Juni 2016

      Hallo Renate,
      toll zu hören. Sag mal, wenn du ab Augsburg gelaufen bist – welche Route hast du denn da (grob) genommen, bevor du wahrscheinlich auf der „gängigen/bekannten“ Route gelandet bist?
      Viele Grüße, Nadine

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  • Reply Sebastian 21. Juni 2016

    Sehr geehrte Frau Ormo,

    schon lange Plane ich die Alpenüberquerung von München nach Venedig und heuer ist es soweit.
    Starten werde ich ab 14.Juli in München. Bei meinen ganzen Planungen stand für mich schnell fest, den Klettersteig der Schiara nicht zu gehen sondern eine Alternative zu finden.
    Die Westumgehung ohne Bus wird nicht empfohlen. Also habe ich mich auf die Suche nach einer östlichen Umgehung gemacht bei der man nicht irgendwelche einsamen Wege gehen muss.
    Dadurch bin ich auch auf den Weg gekommen den Sie vorschlagen. Der Weg bis Longarone war für mich einfach auszumachen und scheint gut begehbar zu sein.
    Der weitere Weg nach Belluno dafür umso weniger. Nach einiger Suche wie ich hier gehen kann ohne auf viel Verkehr zu stoßen, bin ich im Internet auf Ihre Seite gestoßen.

    Könnten Sie mir bitte weiter helfen und sagen welchen Weg Sie von Longarone nach Belluno genommen haben?
    Sind sie auf der westlichen Seite der Bundesstraße SS51 entlang des Bahngleises unterwegs gewesen? Oder haben Sie die östliche Variante entlang des Piave genommen?
    Wissen Sie zufällig noch wie lange Sie für die Ostumgehung gebraucht haben bzw. wie weit diese ganze Umgehung ist? Ich habe mal grob gemessen und komme auf ca. 35 km.

    Schon mal vielen Dank für Ihre Zeit!
    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen!

    Mit freundlichen Grüßen
    Sebastian Eder

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    • NOA
      Reply NOA 21. Juni 2016

      Hallo Sebastian,

      ich hoffe, das Berg-Du ist okay? 🙂

      Ja, der Weg von der Hütte hinunter nach Soffranco ist nicht zu verfehlen, von dort dann westlich vom Fluss auf der alten Fahrstraße nach Longarone.

      Ursprünglich – nach reinem Kartenstudium – hatten wir überlegt, östlich der Piave zu laufen (von wegen weniger Verkehr in der Nähe etc.). Das ist aber letztlich gar nicht nötig:
      Wir sind von Longarone aus auf der westlichen, in Gehrichtung: rechten, Seite des Flusses geblieben; nahe der Gleise und der Straße. Dort war ein Wanderweg, der Cammino delle Dolomiti, ausgeschildert. (Stilisiert drei Wanderer mit ner Kerze; auf gelben Hintergrund in Form eines Bergs.) – Diesem sind wir mehr oder weniger bis Belluno gefolgt; dabei aber immer wieder auch mal unten, nahe der Straße geblieben, wenn der Weg an verschiedenen Stellen irgendwo hochging. Letztlich geht man mal sehr nahe der Piave-Arme, mal nahe an der Autobahn (ein ordentliches Verkehrs-Hintergrundrauschen hat man natürlich immer wieder mal.) Aber bis auf das letzte Stück, direkt nach Belluno rein, erinnere mich mich an den Weg als weitestgehend autofrei und – für die Gegebenheiten – relativ ruhig.

      Ich habe damals alles mit Komoot mitgetrackt. Falls du Komoot verwendest, müsste die Tour auch dort online zu finden sein (da lassen sich einzelne Etappen auch ganz gut rausmessen). Schau mal bei den Touren von „KulturNatur“.

      Zeitlich: Mitwanderer sind die Strecke an einem Tag gegangen. Wir haben die Strecke auf zwei Tage aufgeteilt, weil wir Zeit hatten und uns Longarone anschauen wollten. Aber ich denke, summa summarum waren es vielleicht 8 bis 10 Stunden? – Da macht man ja gut Strecke auf den Wegen, es geht relativ zügig …

      Ich hoffe, das hilft dir.

      Und: 14. Juli – das ist ja bald – ich wünsche dir ne tolle Tour!

      Viele Grüße,
      Nadine

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      • Reply Sebastian 22. Juni 2016

        Hallo Nadine,
        vielen lieben Dank für die schnelle und tolle Antwort!!!
        Danke für die ganzen Infos!!! Wieder ein Problem gelöst! 🙂
        Viele Grüße
        Sebastian

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