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Bike & Hike an der Unstrut

Zwischen Naumburg und Freyburg

Hin und wieder gehen schlichtweg die Planungspferde mit mir durch. Am ehesten immer dann, wenn ich eine Gegend noch nicht kenne; wenn ich mehr oder minder beschränkt viel Zeit habe bei gleichzeitig viel zu vielen spannenden Hinweisen – sei es im Netz oder vom Hörensagen – auf Dinge, die ich mir doch unbedingt ausschauen solle und wolle. Zuletzt geschehen bei einem geplanten Besuch in Freyburg.

Komme ich auf das Städtchen zu sprechen, nenne ich es inzwischen gerne salopp erst einmal das „Ypsilon-Freyburg“; also das in Sachsen-Anhalt, mitten in Mitteldeutschland. Gelegen an der Unstrut, die ein paar Kilometer flußabwärts in die Saale schwappt.

Wobei, genau genommen schwappt die Saale in die Unstrut, wodurch das Wasser wie an einer kleinen Schwelle überraschend stark durcheinandergewirbelt wird. „Die Saale ist hier nur etwa einen halben Meter flach, die Unstrut dagegen zwei, drei Meter tief“, erklärt uns der Fährmann das Phänomen, als wir wenige Meter unterhalb der Mündung auf der Gierseilfähre am Blütengrund über die Saale setzen.

Es ist immer wieder beeindruckend, was sich der Mensch so einfallen ließ: Gierseilfähren sind seit dem 17. Jahrhundert im Einsatz. Hier an der Saale sieht das so aus, dass ein dickes Eisenseil über die Saale gespannt ist. Im Bugbereich der flussaufwärts gestellten Fähre ist ein etwa zwei Meter hoher Stahlpfosten verankert. An ihm eine Rolle, die sich über das Eisenseil wälzt, sowie der Fährmann die Fähre einmal kräftig abgestoßen hat und sie mittels des Heckruders in die Strömung stellt. Die Wasserkraft erledigt den Rest und nach wenigen gemächlichen Minuten gelangt die Fähre ganz motorlos ans andere Flussufer.

Fährmann, hol über! – Mit der Fähre am Blütengrund über die Saale.

Zwar ist die ganz große Pracht im und am Blütengrund schon passé, aber es lässt sich leicht vorstellen, wie üppig noch wenige Wochen zuvor alles blühte. Streuobstwiesen links des Weges, Weinberge rechts. Das mit dem „Berg“ ist hier rund um Freyburg ernst zu nehmen, ziemlich steil geht es nach oben. In diesen Steillagen ist der Weinbau Handarbeit, denn in den mehr als 30 Prozent geneigten Hängen hätten Traktoren oder andere Gefährte keine Chance.

Auch sonst ist der kleinteilige Weinbaus kein leichtes Unterfangen: In diesem Jahr sind zunächst besonders früh die Reben ausgetrieben und dann die Eisheiligen durch die Hänge gekrochen. Die Winzer hatten an ausgewählten Lagen noch große Feuertonnen aufgestellt und so versucht, die Temperatur im Weinberg zu behalten. Doch wie es aussieht, hat die ungünstige Konstellation für einen teils immensen Ernteausfall gesorgt.

Dass wir Fahrräder zur Hand haben, um die paar Kilometer zwischen Naumburg und Freyburg im Sattel zu erkunden, ist letztlich ein Glück. Als große Rundtour zu Fuß wären es mitsamt all der eigentlichen Wanderpläne wohl doch ein paar Schritte zu viel geworden.

Vorbei am Max-Klinger-Haus, das nach seinem einstigen Besitzer, der auch als der deutsche Michelangelo galt und auf den sich Künstlerinnen und Künstler wie Käthe Kollwitz, Max Beckmann oder Max Ernst beriefen. Für einen Museumsbesuch ist der Tag zu jung; vor verschlossenem Tor muss ein Blick von außen genügen und auch die Kaffeepause holen wir erst in Freyburg nach, bevor wir dann vom Radeln aufs Wandern umsatteln.

Da entlang! (Hausfassade in Großjena.)

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Hin und Weg: Mit der (Regional-)Bahn bis Naumburg. Von dort sowohl Saale- als auch Unstrutaufwärts diverse Verbindungen ins Umland.

Übernachten: Naumburg und Freyburg sind wohl das, was im Touristiker-Jargon „C-Destination“ heißt: ein bisschen klein, ein bisschen unentdeckt. Irgendwie schnuckelig. Und damit genau das richtige Ziel für ein verlängertes Urlaubswochenende. Wobei man, wenn man erst mal da ist, stehenden Fußes erkennt, dass es noch so viel mehr zu entdecken gäbe, als das, was man in der kurzen Zeit sehen kann. Also wird man glatt noch mal zurück kommen müssen. Wann sich diese Gelegenheit dann wirklich ergibt? Schwer zu sagen. Daher: lieber gleich mit ein bisschen mehr Zeit planen. Fürs Klima ist so eine längere Reise am Stück eh besser. Und für’s eigene Wohlbefinden auch.

In der Naumburger Altstadt lässt sich zum Beispiel ganz gemütlich und als Selbstversorger im „Domizil Naumburg“ wohnen, einer liebevoll eingerichteten Ferienwohnung auf zwei Etagen, in einem der ältesten erhaltenen Gebäude der Stadt. Frisches Brot vom Bäckermeister gibt’s morgens zwei Häuser weiter, in der „Bäckerei am Lindenring“, wie es in alten Lettern an der gelben Hauswand heißt. Nach dem Frühstück kann es direkt von der Ferienwohnung losgehen mit den zwei Rädern, die im kleinen privaten Hinterhof des schmalen Hauses bereitstehen.

Schöner Wohnen im Domizil Naumburg.

Bike-&-Hike: Die kleine Radrunde von Naumburg nach Freyburg (einfache Strecke etwa 10 Kilometer) lässt sich durch verschiedene Wanderungen erweitern. Mit der Wanderung auf den Rödel hat man ein volles Tagesprogramm beisammen.

Kürzer ist ein ausgedehnter Weinbergspaziergang: dazu in Freyburg durch die Sektkellereistraße links am Rotkäppchen-Gelände vorbei (bzw. mindestens auch einen Blick in den imposanten Lichthof der Sektkellerei werfen). Erst ein kleiner Schlenker, dann wird die Straße schmaler und läuft als Kopfsteinpflasterweg auf den Schweigenberg weiter. Immer entlang der alten, teils wieder aufwändig Instand gesetzten Trockenmauern; an mehreren Stellen mit guten Blicken über das Unstruttal. Zum Ende hin der Wanderwegausschilderung nach rechts den Berg hinunter folgen, ein Stück an der Straße entlang und zur Mühle Zeddenbach (Mehl direkt vom Müller im Mühlenladen). Ab dort und bis zurück in die Innenstadt dominiert der Schweigenberg den Blick: mittels Trockenmauern und Steinumfassungen ist der steile Hang in oftmals fünf, manchmal auch bis zu zehn Terrassen gestuft. Dutzende Weinberghäuschen – vom einst einfachen Wetterunterstand und Materialhäuschen bis schon zum villenartigen Haus – hineingesetzt und fertig ist eine besonders faszinierende Kulturlandschaft.

Davor oder danach: Genau genommen ein Muss, wenn man sich in Naumburg aufhält: Uta einen Besuch abstatten. Als eine der zwölf Stifterfiguren des Dom St. Peter und Paul wurde sie geschaffen von einem namentlich unbekannten Bildhauer, der daher schlicht Naumburger Meister genannt wird. Der Dom ist geprägt durch die späte Romanik und frühe Gotik und gilt als eine der bedeutendsten Kathedralen des Hochmittelalters in Deutschland; er beherbergt eine der größten mittelalterlichen Handschriftensammlungen. Am besten ausführlich im Rahmen einer Führung inklusive Turmbesteigung kennenlernen. Außerdem noch Zeit nehmen für einen ausgiebigen Stadtrundgang.

Transparenzhinweis: Die Recherchereise hat Saale-Unstrut-Tourismus in Teilen unterstützt.