Bergauf Hier & da hin

Frühling, Sommer, Winter … Moment mal!

Mit den Schneeschuhen Richtung Juifen

Wetterkapriolen gibt es immer wieder mal. Dass es aber so dicke kommt, hat wohl selbst die Meteorologen überrascht: Anfang Oktober und es ist Schnee vorausgesagt. Auch für München. Dort schaffen es dann tatsächlich die ersten dicken Flocken vorbei an den abendlichen Bürofenstern der Stadt, bevor sie im allgemeinen Nass auf den Straßen und Wegen ertrinken. Zuvor lassen sie aber noch flink das eine oder andere Schnee-Genießer-Herz höher schlagen.

Am Morgen danach ein entzücktes Juchzen bei Freunden, die im Münchner Umland wohnen. Beweisfotos tun, was sie sollen: Beweisen, dass hier und da schon eine dünne Schicht die Häuser und Autos angezuckert hat. Der Blick auf die Webcams einiger Alpenvereinshütten verspricht dann noch viel mehr …

So legen wir die geplante Herbstwanderung geschwind ad acta und improvisieren kurzerhand einen Winterausflug: Zum Juifen sollte es schon immer mal gehen. Nachteil einer solchen Improvisation: Es blieb keine Vorbereitungszeit, wir haben nur vom Sommerweg gelesen und wissen nichts über die Anforderungen der Strecke bei Schnee.

Auch wenn es reizen würde – die Tourenski bleiben heute noch zu Hause. Stattdessen kommen die Schneeschuhe ins Gepäck. Das soll sich als goldrichtige Entscheidung herausstellen, denn mit jedem Meter, den wir aufsteigen, wird der Schnee höher. Bis er dann einen halben Meter erreicht. – Und wir trotz unserer riesigen High-Tech-Schuhe tief darin versinken. Die Spurarbeit müssen wir heute komplett alleine machen, denn außer uns verirrt sich niemand auf die sonst sehr beliebte Tour.

Der Weg ist schnell beschrieben: Wir starten vom Wanderparkplatz nördlich von Achenkirch. Über die Forststraße geht es Richtung Falkenmoosalm. Diese wird seit 2011 nur noch privat genutzt, einzukehren ist leider nicht mehr möglich. Stattdessen schnallen wir uns hier unsere Schneeschuhe an. Wunderbar, das erste Mal nach langer Zeit wieder das Knirschen und Knarzen des Schnees unter den Füßen zu hören. Wir folgen dem gemütlichen Fahrweg bis zur Großzemmalm. Hier oben wird die weiße Pracht sichtbar höher und spürbar schwerer. Die Sonne wandert Anfang Oktober noch ganz hoch oben über der Hochplatte hinweg. An einer der Almhütten finden wir ein schneefreies Plätzchen und eine Bierbank, von der wir den Blick durch den Bergkessel schweifen lassen und unsere mitgebrachte Brotzeit genießen. Genau das ist einer dieser wertvollen Momente in der Natur.

Rast auf der Großzemmalm
Rast auf der Großzemmalm

Im weiteren Verlauf kommen wir nur langsam voran. Als Sommertour sind bis zum Gipfel drei Stunden einzuplanen. An den denken wir heute aber schon nicht mehr; denn wir brauchten schon bis hierher fast diese Zeit. Ganz geschlagen geben will sich jedoch die schnee-beglückte Seele noch nicht: In Sichtweite ist die Lämpereralm auszumachen. Ich treffe mit mir selbst die Vereinbarung: Bis dahin oder maximal bis 15 Uhr wird noch gelaufen. Mehr will ich auch Hugo nicht antun, der am liebsten gleich ganz an der Hütte geblieben wäre. Wir bleiben weiter auf dem Fahrweg, mühen uns nach reichlicher Überlegung unter dem Nordosthang der Marbichler Spitze entlang. Den Schnee aus den Steillagen hat es bereits, wohl am Tag zuvor, in kleinen Lawinen herausgeschwemmt. An der Lämpereralm drehen wir um. Nicht, ohne vorher noch den Blick hinüber ins Rofan und auf die eine oder andere Spitze des südlichen Karwendels schweifen zu lassen. Dafür haben sich auch die letzten kleinen Mühen gelohnt.

Fazit: Der Weg vom Tal bis zur Falkenmooshütte ist nicht sonderlich erwähnenswert; der von uns gewählte, recht monotone Forstweg lässt sich zwei, drei Mal abkürzen. Oder man steigt gleich in die Fahrradpedale – und rollt auf dem Heimweg in großen Bögen gen Tal. Hinauf auf den Juifen möchte ich im nächsten Anlauf auf jeden Fall, denn schon an der Lämpereralm war der Blick vielversprechend. Inzwischen haben wir uns auch über die Wintervariante belesen, die als beliebte Genusstour die lawinengefährdeten Bereiche zwischen Großzemm- und Lämpereralm natürlich umgeht. Für den Jahresbeginn sind schon fest ein paar Tage am Achensee eingeplant. Vielleicht klappt’s ja dann mit uns und dem Juifen. PS: Nehmt unbedingt genügend Münzen mit. – Im Oktober 2013 betrug die Ganztags-Parkplatzgebühr fünf Euro.

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