Bergsofa Vermischtes

Gebrauchsanweisung für die Alpen

… für Einsteiger und Fortgeschrittene

„Gebrauchsanweisung für die Alpen“ – ein Titel, bei dem nahezu jeder Berggänger aufhorchen wird. Und auch viele, die zum ersten Mal in Richtung der Alpen unterwegs sind. Entsprechend hoch sind die Erwartungen.

Mehr als 100 Bücher der Reihe „Gebrauchsanweisung für …“ sind im Piper Verlag bisher erschienen. Zumeist für Länder. Hin und wieder auch für Regionen & Städte. Oder eben das Münchner Oktoberfest. Und jetzt: Gebirge. Der Harz und die Alpen sind im Angebot.

Die Gebrauchsanweisungen sind als Reiseführer zu verstehen. Wo andere Reiseführer mitunter stoisch abarbeiten, was der (zukünftige) Reisende unbedingt gesehen, getan und gegessen haben muss, sind die „Gebrauchsanweisungen“ bewusst subjektiv geschrieben. Mit ansteckender Begeisterung, mit ironischer Distanz und vor allem mit großer Kenntnis über das Beschriebene.

(c) Piper Verlag

Mit Bene Benedikt hat der Piper Verlag einen Autor gefunden, der viel von den Alpen gesehen hat: Aufgewachsen in Füssen, hatte er stets die Sicht auf Tegelberg und Säuling. Und – etwas versteckter, weiter hinten – auf seinen ganz eigenen Hausberg, den Hohen Straußberg. Er reist seit Jahrzehnten kreuz und quer und viel durch die Alpen. Das bringt allein schon die Arbeit als Chefredakteur des Bergmagazins ALPIN mit sich.

Der Autor nimmt uns mit auf seine Reisen. Beispielsweise auf die Piste. Zu seinen eigenen ersten Versuchen auf den langen Latten im Allgäu oder zu einer sonderlich-amüsanten Begegnung in Madonna di Campiglio im Trentino. Er führt uns in Hütten-, Wander- und Bergsteiger-Geheimnisse ein und verkostet mit uns Früchte und Säfte, Weine und Öle. Er fährt mit uns in ehemalige Olympia-Orte; erzählt vom Ausflug zu den Spielen 1964 in Innsbruck: Im elterlichen Käfer ging es zum Bobrennen und Damenslalom, „bei strenger Kälte und im dichten Flockenwirbel“. Wer das entsprechende Alter hat, wird sich vielleicht erinnern, dass derartige Großveranstaltungen schon damals mitunter an Schneemangel litten. Wie Erinnerung und Fakten dennoch zusammenpassen? – Einfach das Buch lesen und amüsiert sein!

Nun sind Bücher ja wie Gesprächspartner. Wir können entweder entspannt zuhören und neue Anregungen mitnehmen oder uns in ein Dialog verwickeln, Raum und Zeit vergessend. Die „Gebrauchsanweisung für die Alpen“ gehört in erstere Kategorie. Also am besten einen Stift zum Anstreichen zücken oder noch einen Zettel zum Aufschreiben dazulegen. Denn Tipps gibt es – zumeist ganz beiläufig – in dieser Gebrauchsanweisung zuhauf. Und an den – wie zuvor beschriebenen – Stellen, an denen es persönlicher wird, oder an denen der Autor länger an einem Ort verweilt,  spielt das Buch seine Stärken aus.

Bücherberg: Büchertisch bei der Lesung im Alpinen Museum München

Wenn man nun genauer darüber nachdenkt, erscheint eine „Gebrauchsanweisung für die Alpen“ per se wie ein nicht ganz einfaches Unterfangen. Denn dort, wo andere Bücher der Verlagsreihe auch mal nationale Stereotype aufs Korn nehmen oder sich gar in ihnen verfangen dürfen, haben wir es in den Alpen gleich mit acht verschiedenen Staaten und Mentalitäten zu tun. Von sprachlichen und kulturellen „Sonderfällen“ wie beispielsweise den Regionen mit Bündnerromanisch, Dolomitenladinisch und Friaulisch mal ganz abgesehen.

Allzu schnell sind die Alpen einfach nur touristische Kulisse in unserer Wahrnehmung. Eine bisweilen wunderbare, aber eben auch oft verbaute Landschaft, in der sich dieses oder jenes machen lässt. Streckenweise spiegelt sich diese (Intensiv-)Nutzung im Buch wider. Gut vorstellbar wäre es gewesen, jenseits touristisch vermarkteter Themen noch mehr über die Menschen zu lesen, die in den Alpen daheim sind: Über gelebte Traditionen jenseits möglichen Event-Charakters. Über Musik und Literatur. Über Mentalitäten. Über das Leben in Alpenstädten wie dem zentralen Innsbruck – das Richtung München milde lächelnd sagen kann: Mittendrin, statt nur dabei!

Vielleicht sind solche Themen hier und da kurz angesprochen, werden aber schlichtweg überlesen, da es im Text mitunter im Achterbahn-Tempo zum nächsten Schauplatz geht. Vielleicht auch drücken gerade diese blinden Flecken genau unsere Ambivalenz zu dem großartigen Gebirge namens Alpen aus.

„Gebrauchsanweisung für die Alpen“ ist im Piper Verlag erschienen. Umfang: 224 Seiten, Flexcover mit Klappen. Zu bestellen in jeder Buchhandlung oder direkt beim Verlag für 14,99 (D). ISBN 978-3-492-27647-4.

Transparenzhinweis: Das Buch „Gebrauchsanweisung für die Alpen“ hat mir der Piper Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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