Bergsofa Vermischtes

Lesestoff für lange Winterabende

Bücher zum Verschenken und Behalten

Ein Narr, wer die Winterzeit abschaffen will! Vor einigen Monaten gab es ja diese etwas fragwürdige Umfrage, derzufolge sich mehr als 80 Prozent der Teilnehmer (vornehmlich waren es Deutsche) gegen die Zeitumstellung ausgesprochen haben und die Sommerzeit beibehalten wollen. Wirklich verständlich ist mir das nicht: Diese langen Winterabende sind schließlich unerlässlich, um vom prallen Sommerleben zu regenerieren. Im Norddeutschland beginnt die Dämmerung schon früh am Nachmittag; im Süden dauert’s ein Stündchen länger. Lässt man sich am Wochenende darauf ein, zündet eine Kerze an, macht sich einen Tee und greift zu einem Buch, dann ist’s ein paar Stunden lang so was von herrlich egal, was vor der Tür so los ist.

An dieser Stelle sechs aktuelle Bücher, in denen sich grad gut blättern und lesen lässt:

Die Alpen. Das Verschwinden einer Kulturlandschaft

(c) wbgTheiss
(c) wbgTheiss

Es klingt ernüchternd: Die Alpen, wie wir sie kennen, werden verschwinden. Einerseits, so die These von Werner Bätzing, werden die Alpen verbuschen – dort wo nicht modern, also intensiv und damit global gesehen konkurrenzfähig, gewirtschaftet werden kann. Andererseits werden die Alpen immer intensiver genutzt werden – traditionelle, kleinräumige Landschaften werden ersetzt durch zersiedelte und verstädterte Gebiete oder durch künstliche Freizeitparks.

In ungewohnt überschaubaren Texten und reichlich bebildert widmet sich der emeritierte Professor für Kulturgeographie einmal mehr den Alpen: Was sind diese Alpen eigentlich? – Schrecklich? Schön? Oder über kurz oder lang einzig und allein noch ein Freizeitpark? Wie sehen traditionelle Kulturlandschaften aus und was hat es mit der Modernisierung der Alpen auf sich? Am allerwichtigsten: Welche Zukunft gibt es für die Alpen? Wie ließen sich die Bergregionen als dezentraler Lebens- und Wirtschaftsraum vielleicht sogar wieder aufwerten?

Wer bisher noch nichts vom Alpenfachmann Bätzing gelesen hat, kann sich – auch und vor allem als Laie – mit diesem Buch in ganz eigenem Tempo den drängendsten Alpenfragen annähern.

Menschen, Tiere und andere Dramen

(c) Verlag Kremayr & Scheriau
(c) Verlag Kremayr & Scheriau

Die vielleicht vernünftigste Lesart dieser prall gefüllten Tour-der-Tiere ist: Kapitel für Kapitel, an jedem Abend vor dem Einschlafen eines. Und damit meine ich nicht die zehn Hauptkapitel, sondern die zahlreichen Unterkapitel, die kolumnenartig daherkommen – gespickt mit vielen Fakten und einer ordentlichen Portion Sprachwitz. Oft heiter, hier und da auch launig.

Der Untertitel des Buches verspricht uns die Antwort auf die Frage „Warum wir Lämmer lieben und Asseln hassen“. – Nur darf man wohl nicht wirklich überrascht sein, wenn die Antwort nicht ganz befriedigt. Dafür erfährt man anderes, zum Beispiel, dass der Wombat würfelförmigen Kot produziert. Wie das kommt? – „Die ungewöhnliche Form entsteht bei einer besonders langen, entwässernden Darmpassage, während der spezielle anatomische Formen in der Darmwand dem Produkt seine Kanten geben.“ Das ist sinnvoll, wenn man bedenkt, dass der Beutelsäuger in Australien lebt, wo es evolutionstechnisch von Vorteil ist, möglichst effizient mit dem Wasser zu haushalten.

Letzteres wiederum sagt das Buch so nicht, was genau genommen schade ist, denn in der Masse setzt der Autor, der Kolumnenschreiber beim Falter ist und Wissenschaftskommunikation in Wien lehrt, eben doch eine ziemlich umfangreiches Wissen und Herleiten voraus. Das wirkt sich wahlweise etwas abträglich auf’s Lesevergnügen aus oder es lässt einen an anderer Stelle, weil man’s irgendwie doch genauer verstehen will, einfach weiter recherchieren.

Werners Nomenklatur der Farben

(c) Haupt Verlag
(c) Haupt Verlag

Ein Stück Kulturgeschichte. – Dieses Büchlein ist erstmals 1814 auf Englisch erschienen: Der Namensgeber für die Nomenklatur der Farben, Abraham Gottlob Werner, war ein bedeutender Geologe und Bergmeister an der Bergakademie in Freiberg/Sachsen. Er hatte die Idee, anhand von Schlüsselkennzeichen wie Farbe oder Glanz Minerale zu bestimmen. Diesen Gedanken griff später Patrick Syme auf, ein Pflanzenmaler und Zeichenlehrer aus Edinburgh, und ergänzte Referenzbeispiele aus der Tier- und Pflanzenwelt.

Viele Künstler und Naturforscher verwendeten fortan diese Nomenklatur, wenn sie Gewünschtes oder Gesehenes möglichst genau beschreiben wollten. So auch Charles Darwin, der auf seiner Reise mit der Beagle ein Exemplar von Werners Nomenklatur bei sich trug.

Werners ursprünglich 79 Farbtöne hat Syme auf 110 erweitert, so dass in der Nomenklatur die meisten der in der Natur vorkommenden Farbtöne enthalten sind: das Umbra der Rohrweihe ebenso wie das Berliner Blau des Leberblümchens, das Schottisch Blau vom Hals der Kohlmeise ebenso wie das Französisch Grau vom Rücken der Lachmöwe.

Auch wenn, wie der Verlag gleich vornweg einschränkt, die modernen Drucktechniken nur eine Annäherung an die im Original enthaltenen Farben sein können, bringt es enorm große Freude, in dem leinengebundenen Büchlein zu blättern, immer neue Farbtöne kennenzulernen und die eigene Sprache zu präzisieren.

Jubiläumstourenbuch

(c) Bergverlag Rother
(c) Bergverlag Rother

Der Deutsche Alpenverein wird 150. Weshalb die Idee entstand, in den Sektionen nach Touren zu fragen, die in ein „Jubiläumstourenbuch“ passen würden. Was herauskam ist eine bunte Sammlung aus 150 Vorschlägen, die irgendwo zwischen Klassiker, Geheimtipp und Lieblingstour zu verorten sind. Es liegt in der Logik der Sache, dass die meisten Touren in die Alpen führen – mal als entspannte Halbtages-Frühlingswanderung, mal als fordernde Mehrtagestour, darunter auch einzelne Klettersteig- und Hochtouren.

Ort des Geschehens: Primär dort, wo die Sektionen Hütten betreuen. Darüber hinaus haben auch 25 Touren nördlich des Weißwurstäquators, von den jeweiligen Sektionsstandorten, ins Buch gefunden. Diese Vorschläge treten auf ihre Weise den Beweis an, dass es bei weitem nicht jedes Wochenende in die Alpen gehen braucht, um ein erfüllendes Naturerlebnis zu genießen.

Fazit: Wer die Alpen wander- und tourentechnisch gerade erst für sich entdeckt hat, findet in dem Buch leichteren und schweren Stoff für die nächsten Jahre. Wer wiederum glaubt, in den Ostalpen schon wirklich vieles zu kennen, darf sich ebenfalls überraschen lassen.

(c) AS Verlag
(c) AS Verlag

Ich bleibe noch ein wenig

Dieses Buch von Esther Angst ist eines der Werke, durch das man wohl immer wieder blättern und lesen kann – und jedes Mal wird man etwas anderes darin finden. Mal ist es vielleicht der Text, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht; mal sind es die Druckgrafiken, Illustrationen, Reiseskizzen, Cartoons …

Je nach eigener momentaner Stimmung geht mal von den zügig gezeichneten Werken, für die sich Esther Angst auf Reisen höchstens ein paar Stunden gibt, ein ganz besonderer Charme aus; mal von denen, die sie – mitunter über Monate und Jahre – immer und immer wieder überdacht und verfeinert hat.

Die „Illustrationen aus den Bergen“ lassen Assoziationen zu Selbsterlebtem aufkommen. Sie wecken die Sehnsucht, selbst zu einer Reise aufzubrechen. Sie fokussieren auf kleinste Details. Und erzählen darin mitunter viel größere Geschichten, als auf den ersten Blick zu vermuten wären. Man muss sich nur die Zeit geben um hineinzuschauen und hineinzuhorchen.

Winter. Eine Liebeserklärung

(c) Edel Books
(c) Edel Books

Auf der Suche nach Winterfakten und Schneekuriosa? – Dann nix wie loslesen! Überhaupt ist genau jetzt die perfekteste Zeit für dieses Buch. Die Abende sind besonders lang, die Sehnsucht nach Schnee ist besonders groß.

„Frühling, Sommer und Herbst ähneln einander“, schreibt Barbara Schäfer,  „Nur der Winter steht für sich. Die Welt gerät in einen anderen Aggregatzustand: Wasser gefriert. Die Landschaft wird erst kahl, dann weiß. Was macht das mit den Menschen? Und warum lieben manche gerade dies?“ – Die Autorin gibt Antworten aus eigener Erfahrung, auch wenn Berlin, wo sie lebt, trotz seiner mitunter sibirisch-kalten Ostwinde nicht gerade als Wintermekka gilt. Statt dessen reist sie als Journalistin viel, vor allem, immer wieder und lang auch in den Norden.

So ist auch das Buch selbst eine Reise – durch alle Facetten des Winters – der faszinierenden (wie der Erforschung der Schneeflockenformen durch Wilson Bentley), genauso wie der ganz pragmatischen (schließlich ist Eiseskälte nicht nur schön, sondern auch praktisch, wie am Baikalsee, der im Winter meterdick zufriert und so zur schnellen, kurzen Transitstrecke für Über-Eis-Fahrten zwischen Irkutsk und Ulan-Ude wird). Zurück geht’s in die Zeit, als man zwischen Ski und Schneeschuh zumindest sprachlich noch nicht wirklich unterschied und natürlich stellt sich auch die Frage „Quo vadis, Wintersport?“. – Kurzum: Wer den Winter mag, wird dieses Büchlein lieben. Und nicht nur, wer sich dem Norden verbunden fühlt, wird sich immer wieder dabei erwischen, still grinsend die in und zwischen den Zeilen vermittelte Winteratmosphäre aufzusaugen.

Über die Bücher

  • „Die Alpen. Das Verschwinden einer Kulturlandschaft“ von Werner Bätzing (wbgTheiss). Umfang 216 Seiten, gebunden, 38,00 Euro, ISBN 978-3806237795
  • „Menschen, Tiere und andere Dramen. Warum wir Lämmer lieben und Asseln hassen“ von Peter Iwaniewicz (Verlag Kremayr & Schierau), Umfang 192 Seiten, gebunden, 22,00 Euro, ISBN 978-3218011358
  • „Werners Nomenklatur der Farben“ von Patrick Syme (Haupt-Verlag), Umfang 80 Seiten, gebunden, 22,00 Euro, ISBN 978-3258602011
  • „Jubiläumstourenbuch“ vom Deutschen Alpenverein (Bergverlag Rother), Umfang 344 Seiten, broschiert, 19,90 Euro, ISBN 978-3763380992 (für DAV-Mitglieder gibt es eine separate, vergünstigte Ausgabe des Buches direkt beim Alpenverein)
  • „Ich bleibe noch ein wenig. Illustrationen aus den Bergen“ von Esther Angst (AS Verlag), Umfang 128 Seiten, gebunden, 39,50 Euro, ISBN 978-3906055886
  • „Winter. Eine Liebeserklärung“ von Barbara Schaefer (Verlag Edel Books), Umfang 224 Seite, gebunden, 18,00 Euro, ISBN 978-3841905734

Die Bücher wurden mir von den Verlagen als Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt: Von wbgTheiss, vom Verlag Kremayr & Schierau, vom Haupt-Verlag, vom Bergverlag Rother, vom AS Verlag sowie vom Verlag Edel Books

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