Bergsofa Vermischtes

Buchtipp: Immer höher

Immer.höher.Franz.Hohler

Besondere Orte, gemeinsame Erlebnisse

Wären es Blog-Beiträge, wären seine aufgeschriebenen Beobachtungen wohl vielgepriesene „7-minute-reads“. Lang genug, um den Inhalts-Trumpf auszuspielen. Kurz genug, um den Leser nicht vor dem Ende des Artikels zu verlieren.

In „Immer höher“ nimmt Franz Hohler den Leser mit auf einfache Spaziergänge und schwere Bergtouren. Fein säuberlich der Höhe nach geordnet. Am Monte Rossola an der ligurischen Küste beginnen, auf dem Mont Blanc und auf dem Popocatépetl enden sie.

Es sind ganz gewöhnliche Bergtouren, über die er schreibt. Touren, wie viele von uns sie erleben. Schöne Touren, deren größte Aufregung vielleicht die Blase danach ist, weil der Schuh gedrückt hat. Ob man über so etwas überhaupt schreiben dürfe?, sinniert der Autor. Schließlich sei doch mit den Bergen „… das Drama verbunden, Rettungen in letzter Minute, die hauchdünne Trennlinie zwischen Glück und Unglück …“ Und er antwortet sogleich: „Doch, darüber darf man schreiben. Denn wenn ich zu Berg gehe, wünsche ich mir nichts inniger, als dass das Drama ausbleibt … Zwei grosse Blasen an den Fersen genügen mir als Zeichen für das Unerträgliche.“ Recht hat er!

Franz Hohler geht allein, mit seinem Sohn oder seiner Frau, mit Bekannten oder dem befreundeten Bergführer auf Tour. Er plaudert und hört zu. Er schaut und nimmt wahr. Er schweigt und denkt nach. Und schreibt hinterher alles in schöne Sätze gepackt auf. Wunderbar fabulierend.

Wer sich an die mitunter stakkatoartigen Sätze im Internet gewöhnt hat, der wird für manchen Satz vielleicht ein zweites Mal ansetzen, um dem Gedankenfluss zu folgen. Oder wird, bei der Tour auf den Hellchöpfli, irgendwann innehalten und sich denken: Hier gab’s schon verdammt lange keinen Satzpunkt mehr. Der Satz begann in der vierten Zeile der Vorseite. Und er zieht sich auch noch bis auf die dritte Seite. Tolstoi lässt grüßen.

Magische Momente

Jede seiner 28 Bergtouren wird von einer blau-grauen Doppelseite mit einem Tourenfoto eingeleitet. Schön ist das. Vor allem für diejenigen Leser, die sonst eher in den Ostalpen oder anderswo unterwegs sind und – abgesehen von den ganz Großen – viele der meist Schweizer Bergnamen vielleicht noch nie gehört haben. Letztlich ist es aber auch (fast) egal, auf welchen Berg es geht. Was zählt, sind diese magischen Momente: In denen die Herbstsonne Löcher in die Wolken reißt und die Ahornblätter aufflammen lässt. Oder in denen sich das persönliche Wohlgefühl am Gipfel in ein Glücksgefühl steigert.

Nach einem Berg-Tag steigt Franz Hohler „dann in den Zug, als wäre die ganze Welt in Ordnung.“ Natürlich ist sie das nicht. Das wissen wir anderen Wanderer und Bergsteiger genauso wie er. Doch nur wenige könnten es so leicht und beiläufig in einen Berg-Text einweben und dem Leser trotz aller Un-Ordnung auch noch ein immer neues Lächeln ins Gesicht zaubern. Aber schließlich ist Franz Hohler nicht umsonst einer der bekanntesten Schweizer Autoren. Er kann.

„Immer höher“ ist im AS Verlag erschienen. Umfang: 192 Seiten. Zu bestellen im Handel oder direkt beim Verlag für 22,90 Euro (D). ISBN 978-3-906055-19-00.

Das Buch „Immer höher“ hat mir der AS Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Ach ja: Als Kabarettist erzählt Franz Hohler uns außerdem noch, wie die Berge in die Schweiz kamen:

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