Alpenstädte und -orte

Zeit in: … Innsbruck

4. Juni 2017

Eine Annäherung

E.T.!

Es ist ein naß-kalt-ungemütlicher Herbstmorgen und ich fahre mit dem Zug nach Innsbruck ein. In aller Frühe ging es in München los, in Kufstein bin ich umgestiegen. Während sich der Zug mit Pendlern füllte, war ich noch mal eingeschlafen. Als ich die Augen wieder öffne, dämmert es im Inntal. Und E.T. reckt mir auf einem langen Hals seinen Kopf entgegen. – Es dauert einen Moment, bis ich weiß, wo ich bin und bis mein Hirn von Spielbergs Außerirdischem auf Zaha Hadids Skisprungschanze umschaltet.

Das Innsbruck Nature Film Festival, kurz INFF, hat mich nach Tirol geführt. Da das Festivalprogramm hauptsächlich nachmittags und abends läuft, will ich die restliche Zeit ausgiebig nutzen, um mir auch von Innsbruck selbst ein besseres Bild zu machen.

Bisher war ich – vor vielen Jahren – nur zu einzelnen Tagesausflügen in der Stadt. Oder ich bin immer wieder drumherum gefahren. Wie so viele von uns, auf dem Weg zum Brenner oder in eines der Tiroler Täler. Kein Wunder, dass das Bild, das sich im Laufe der Jahre bei mir verfestigt hat, vor allem von Infrastruktur geprägt war. Von schrecklich viel Infrastruktur, um genau zu sein. Dieses Zuviel vor allem durch Individualverkehr und Schwerlasttransporte, mit dem wir Städte und Landschaften immer mehr überfrachten. Das wir den Menschen, die dort leben, zumuten. Im Inntal ist dieser Infrastruktur-Wahnsinn für mich seit jeher besonders deutlich spürbar.

Umso überraschender ist in diesen Tagen die Innsbrucker Altstadt für mich. Das führe ich vor allem auf einen Fakt zurück: Die Fußgängerzone ist seit meinem letzten Innenstadtbesuch mit der Umgestaltung der prachtvollen Maria-Theresien-Straße deutlich größer geworden. – So gibt es mehr Platz zum Schauen, Wahrnehmen und Genießen.

Innsbruck wird mich ab jetzt öfter wiedersehen. Auch deswegen:

#1: Schmucke Cafés

Wenn eine Städtereise wettermäßig eher durchwachsen ist, landet man für gewöhnlich entweder in Museen oder in Cafés. Mein Weg hat mich zunächst ins Immerland geführt, wo sich nicht nur  die allergrößten Regenfluten bei allerlei frisch zubereiteten Leckereien perfekt aussitzen lassen. Ein wunderbar verträumter Ort zwischen Cupcake Hills und Pasta Valley – ein Blick auf die Wand verrät, wovon ich rede.

Als das charmant-antiquierte Pendant dazu darf das Café Central gelten. Ein wunderbar altes Kaffeehaus, in dem sich durchaus auch abends noch wunderbar bei einem Glas Wein die Zeitung lesen oder einfach aus dem Fenster schauen und dem Gemurmel an den Nachbartischen lauschen lässt.

Ebenfalls unbedingt zu empfehlen, vor allem auch Bergbegeisterten: Die Café-Bar 360 Grad mitten über den Dächern der Altstadt. Bei gutem Wetter auf jeden Fall eine der engen Sitzmöglichkeiten draußen genießen. Einen besseren Café-Blick auf Berge und Stadt gibt es in Innsbruck wohl nicht.

Immerland – zwischen Cupcake Hills und Pasta Valley

#2: Die Architektur von Zaha Hadid

Die Skisprungschanze

Einfach nur elegant, wie sie auf dem Bergisel thront! Ein Besuch lohnt sich allein schon, um oben im Café – okay, irgendwie komme ich nicht los vom Thema – ein zweites Frühstück, mindestens aber einen Tee zu genießen. Dabei kann man dann mit etwas Glück auch einen Skispringer beim Springen zusehen. Oder einfach den Blick Richtung Nordkette und auf die Stadt genießen. Die Schanze selbst ist für meine Begriffe, wie so oft bei hohen Bauwerken, am besten aus etwas Entfernung zu bewundern.

Die Hungerburgbahn 

2007 wurde die neue Hungerburgbahn eingeweiht. Sie ersetzt eine Vorgängerbahn, die bereits seit 1906 auf die Hungerburg, einen Stadtteil hoch über Innsbruck, hinaufführte. Die vier Stationen sprechen die organische Formensprache, mit der Zaha Hahid weltberühmt wurde.

#3 Mini-Wanderung am Rande der Stadt

Um den Bergisel herum führt der Sillschluchtweg. Start ist, wenn man gerade schon an der Skisprungschanze war, das Tiroler Landesmuseum am Bergisel. Der etwa einstündige, einfache Spaziergang führt im Uhrzeigersinn rund um den Bergisel. Anfangs begleitet das laute Autobahn-Rauschen noch den Weg, irgendwann verebbt der Lärm aber. Von zwei besonders aussichtsreichen Punkten ist der Blick auf die Skisprungschanze hervorragend: Eine Aussichtsplattform am Drachenfelsen, auf der Rückseite der Schanze. Und dann, etwas später, auf der westlichen Seite.

# 4 Alpenzoo

An und für sich ein Muss für jeden Alpenfan. Egal, ob mit Kindern oder ohne. In dieser Vielfalt wird man Tiere aus dem Alpenraum sonst vergeblich suchen. An vielen Stellen interessante, leicht verständlich aufbereitete und gut portionierte Hintergrundinfo, wie zu Gefährdungen für Amphibien, zur Auswilderung des Waldrapps oder zum Mikroklima von Reptilien. Etwas überraschend vielleicht ist es, im Alpenzoo auch auf Elche zu treffen. Dass sie noch bis ins frühe Mittelalter tatsächlich in den Alpen lebten, belegt der einst sensationelle Fund des Scharnitzer Bergführers Toni Gaugg – später bekannt als “Pleisen-Toni” von der Pleisenhütte, der 1951 im Karwendel das fast vollständige Skelett eines Elchkalbes fand.

#5 Nordkette & Co

Lassen wir die unangenehme Kehrseite der Infrastruktur im Tal mal kurz beiseite – um diese Lage zwischen den Bergen sind die Innsbrucker schon ein Stück weit zu beneiden. Schnell mal auf den Berg – in Innsbruck mit Bus und (Seil-)Bahn wirklich verlockend. Kann es da überhaupt Seilbahn-Muffel geben? Schon wenige Meter entfernt von der Bergstation der Nordkettenbahn lässt sich jedenfalls ein Hauch der Wildheit des Karwendels erhaschen. Zumal an Herbsttagen, die im Tal schmuddelig und am Berg dementsprechend weiß sind.

Last but not least: Auf der Südseite von Innsbruck ist – ebenfalls sehr gut und regelmäßig mit dem Bus zu erreichen, ist der Innsbrucker Zirbenweg unbedingt zu empfehlen; für jeden, der ein wenig mehr Zeit mitbringt.

 

 

 

 

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