Deutschland Über Land

Über sieben Hügel kannst du geh’n

Bamberger Stadtwanderung 

Es ist ja so: Früher hat man mal einen Bericht im Fernsehen gesehen, vielleicht einen kleinen Reiseführer in die Hände bekommen. Aufgrund von Erzählungen anderer oder weil man eine Postkarte geschickt bekam, entwickelte sich das Gefühl, dass man diese oder jene Stadt unbedingt selbst einmal besuchen wollte. Oder Reiseberichte und Erzählungen bekannter Autoren waren der Auslöser für eine kleine Sehnsucht.  

Heute nun: Eine Überfülle an Informationen, die sich online finden lassen. Abertausende und Millionen von Bildern. Und doch oft genug die große Frage, warum gerade diese Stadt nun einen Besuch wert sei. Ob man ganz spezielle Bauwerke oder Ausstellungen besichtigen wolle und wenn ja, wie? Ob man sich vielleicht auch einfach nur treiben lassen solle?  

Bamberg nun hatte ich viele Jahre im Hinterkopf. Es war die Ahnung einer Stadt, die durch ihre mittelalterlichen, später barockisierte Architektur beeindrucken würde, in deren Gassen man sich wohl auch schnell verlaufen könne. Greifbar wurde mir die Stadt aus der Ferne dennoch nicht. Einerseits erschien es mir wie ein Zuviel an historischen Gebäuden. Andererseits prasselten viel zu viele Informationen und Vergleiche, Bilder und Beinamen auf mich ein: da war die Rede von der Gärtnerstadt, der Bergstadt und der Inselstadt, von Klein-Venedig und von der Sieben-Hügel-Stadt. – Viele Puzzelteile, die sich erst vor Ort zu einem Bild zusammenfügen würden. 

Tourstart: Im Weltkulturerbe-Infozentrum 

Unser Besuch fällt auf den 1. Mai. Das fehlende geschäftige Treiben an solchen Feiertagen, ebenso wie an Sonntagen, empfinde ich meist als sehr angenehm. Denn alles schaltet einen Gang runter, der Tag plätschert vor sich hin.  

Die adäquate Form der Stadtbesichtigung schien, Bamberg zu erwandern. Vielmehr die sieben Hügel, die der Stadt den Beinamen „fränkisches Rom“ einbrachten: Unter Heinrich II. wurde die Idee verfolgt, Bamberg als ein Abbild von Rom auf sieben Hügeln zu bauen. 

An den Unteren Mühlen hatte gerade das Informationszentrum Weltkulturerbe eröffnet. Unten im Gebäude liefert eine Wasserturbine Strom für eine ganze Reihe Bamberger Haushalte, im Erdgeschoss ist ein Restaurant eingerichtet, darüber ein Inforaum mit einer überschaubaren wie empfehlenswerten Ausstellung über die Stadt. 

Informationszentrum Weltkulturerbe Bamberg
Informationszentrum Weltkulturerbe

Die eine, überhaupt wichtigste Information: Bamberg darf sich mit dem Weltkulturerbe-Status schmücken, weil die hochmittelalterlichen Stadtstrukturen hier besonders intakt sind. Vergleichbares findet sich in dieser Größe und derart gut erhalten in Deutschland und ganz Europa nicht. Zu dieser Struktur gehören das geistliche Zentrum, die Bergstadt; die bürgerliche Inselstadt zwischen den beiden Flussarmen der Regnitz, ebenso wie die Gärtnerstadt im Osten. 

Etwa 45 Minuten halten wir uns im Infozentrum auf, haben von hier auch einen eher stillen Blick auf das wahrscheinlich most-instagrammable Rathaus von ganz Deutschland. Ich fühle mich bereit für unsere eigenen Erkundungen, die uns zu den sieben Hügeln führen sollen, auf denen Bamberg – genauer gesagt: die linksseitige Bergstadt – gebaut ist.

Regnitz-Blick vom Informationszentrum Weltkulturerbe auf das Rathaus Bamberg.
Regnitz-Blick vom Informationszentrum Weltkulturerbe auf das Rathaus.

In einer etwa zehn Kilometer langen Schleife erkunden wir Bamberg. Wobei einige der Hügel gar nicht unbedingt als solche erkennbar sind und man mitunter schon fast in den Steigerwald abzudriften droht.

An den einen Stellen kommen wir ins Schwitzen, an anderen lassen wir uns treiben. Und immer wieder bleiben wir stehen, begeistert von den Ausblicken. Der größte Trubel spielt sich während unserer Stadtwanderung in Steinwurf-Weite der Regnitz ab, schon ein, zwei Querstraßen weiter sind wir quasi allein. Es ist immer wieder verrückt, wie Tourismus oft funktioniert; noch dazu, wenn ein Ort mit einem verheißungsvollen Titel geadelt wurde.  

Hügel #1 – Der Domberg

Der Tourismus-Hotspot der Stadt schlechthin. Auf dem Domberg thront der Bamberger Dom, daneben die Alte Hofhaltung und die Neue Residenz. Im Barockgarten der Residenz brauchen die Rosen bei unserem Besuch zwar noch ein paar Wochen, aber es ist zu erahnen, wie herrlich es sich später im Jahr im Café Rosengarten sitzen lässt. 

Alte Hofhaltung & Bamberger Dom

Hügel #2 – Der Jakobsberg

Keine fünf Fußminuten westlich vom Dom steht die Jakobskirche, die damit den Jakobsberg markiert. Tatsächlich führt die gleichnamige Straße noch weiter hinauf, aber allzu genau sollte man das mit den Bergen eben nicht nehmen. Wir biegen statt dessen an der Kirche südlich ab und verlieren etwas Höhe bevor es über einen gemütlichen Spazierweg durch Wiesen hinauf zum höchsten Hügel der Stadt geht. 

Im Rücken die Jakobskirche aus Sandstein, bunte Fassaden voraus.

Hügel #3 – Die Altenburg

Kurz vor der mittelalterlichen Altenburg, die über allem trutzt, wird es direkt steil. Der schwüle Tag fordert seinen Tribut. Getränke haben wir ausnahmsweise nicht dabei, denn wir spekulieren auf eine Erfrischung im Burghof. Wir kommen gerade recht zum traditionellen Kirchweihfest, ein schattiger Platz unter den Linden ist schnell gefunden, ein Gespräch mit den Tischnachbarn bald im Gange. Hier ließe es sich mit Sicherheit noch viel länger aushalten. 

Die Altenburg

Zwischenstopp

An dieser Stelle hat die Runde, wenn man so will, einen kleinen dramaturgischen Fehler, denn auf dem Weg zum nächsten Hügel kommen wir ziemlich automatisch an einer weiteren Einkehrmöglichkeit vorbei, der Villa Remeis. Auslassen ist nicht:

Nach dem Willen des ehemaligen Besitzers, Dr. Karl Remeis, ging nach dessen Tod das Haus in den Besitz der Stadt über und ist nach Willen des Erblassers „ausschließlich der Benutzung und dem Genuss des Publikums“ gewidmet. In der Villa Remeis ist heute ein Café eingerichtet, das für sein besonderes Konzept, psychisch kranken Menschen eine Arbeitstherapie zu ermöglichen, vor einigen Jahren den „Bayerischen Miteinander-Preis“ erhalten hat. Jedenfalls rechtfertigt allein schon die Aussicht auf die Stadt einen Stopp, und da ist noch gar nicht vom Kuchen die Rede …

Blieben wir jetzt hier viel länger sitzen, ließe sich die Sieben-Hügel-Wanderung auch kurzerhand abbrechen und über den Jakobsberg in wenigen Minuten ins Stadtzentrum gelangen. Aber das wollen wir so gar nicht.

Café Villa Remeis

Hügel #4 – Der Abtsberg

Etwas abseits von allem gelegen, schlendern wir vorbei an Streuobstwiesen über den Bamberger Weg zum Abtsberg. Der Berg gehörte einst dem Abt des Klosters Michelsberg, heute findet man sich dort in einer Wohnsiedlung wieder. 

Wiesen am Abtsberg

Hügel #5 – Der Michelsberg 

Das ehemalige Benediktinerkloster Michelsberg wird heute als Bürgerspital, also Seniorenheim, genutzt. Ginge magenmäßig grad was, würden wir auf der großen, flussseitigen Terrasse sicher auch auf einen Kaffee oder so bleiben. So lehnen wir einfach ein paar Minuten an der Mauer und schauen aus wieder einem anderen Winkel auf die Stadt. 

Logenplatz am Michelsberg

Hügel #6 – Der Stephansberg 

In Franken geht man nicht in den Biergarten, sondern „auf den Keller“. Und genau das tun wir später am Stephansberg, um das traditionelle Bamberger Rauchbier zu probieren. Dass der Ausblick dabei wieder einmal ganz hervorragend ist, überrascht schon gar nicht mehr großartig. 

Biertrinken in Bayern: Was dem einen sein Garten, ist dem anderen sein Keller.

Hügel #7 – Der Kaulberg 

Letzter Stopp am heutigen Tag, denn in den Gemäuern des ehemaligen Karmeliterklosters befindet sich heute ein Hotel und das Zimmer ist bezugsbereit. Tagsüber kann man auch einen Blick in den romanischen Kreuzgang werfen. 

Karmelitenkloster am Kaulberg

Tipp

Am nächsten Tag noch Zeit nehmen, um ausgiebig die Gärtnerstadt zu besuchen: Innerstädtisch werden dort Anbauflächen seit dem 14. Jahrhundert ununterbrochen genutzt. Zwar ist die Zahl der Gärtnereien stark gesunken, aber die Stadt hat es sich – allein schon wegen des Welterbetitels – zur Aufgabe gemacht, dieses grüne Areal zu erhalten. Es ist super spannend, mit den Gärtnern ins Gespräch zu kommen und einen Blick in den Gärten zu werfen. Im Idealfall kann man gleich Tomaten, Kartoffeln & Co einkaufen. Frischer und direkter vom Produzenten geht nicht. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.