Weltweit wandern

A walk in the park

8. März 2017

Auslüften in Hampstead Heath

Raus ins Grüne. Einen Moment Luft schnappen, die Augen entspannen und die Gedanken sortieren. – Gar nicht so einfach in einer Metropole wie London, wo inzwischen mehr als 8,5 Millionen Menschen wohnen, könnte man denken. Doch ein Blick auf die Karte verrät: Trotz – und gerade wegen seiner Größe – hat London überraschend viel Grün zu bieten. Ein Drittel der Stadt, so sagt es die offizielle Statistik, sind Grünflächen. Einer der großen Stadtparks ist die Hampstead Heath im Stadtbezirk Camden. Man gehe in die „Heath“, in die Heide, heißt es oft einfach. 

An vielen Stellen wirkt diese Heide fast wild: Alte, knorrige Bäume. Scheinbar sich selbst überlassene Uferzonen der kleinen Seen und Teiche, mit viel Schilf. Ein Auf und Ab der offiziellen Wege und der im Laufe der Jahre entstandenen Abkürzungen über die hügeligen Wiesen und durch den Wald.

Sowie man ein paar Schritte in die Hampstead Heath gegangen ist, hat man die Stadt ein gutes Stück hinter sich gelassen. Wahrscheinlich ist es dieses Mit-sich-selbst-beschäftigt-Sein, das einen so schnell abschalten lässt. Alles, was hier – zumindest an einem Frühlingstag nach dem Regen – zählt, sind Fragen wie: Wie komme ich einigermaßen geschickt um die nächste Schlammpfütze herum? Sollte ich jetzt lieber auf dem linken oder auf dem rechten Pfad weitergehen? Und überhaupt, warum spüre ich diesen läppischen Anstieg auf den Parliament Hill in den Beinen?

Vom Parliament Hill gibt es einen offenen und ziemlich guten Blick über die Londoner Skyline. Allein schon dafür lohnt sich der Abstecher in den Park. Ich würde jedoch empfehlen, nach Möglichkeit mehr Zeit mitzubringen. Um zum Beispiel nach Norden zum Kenwood House weiterzugehen, für das ganz in Manier der Englischen Landschaftparks Sichtachsen im Gelände geschaffen und verändert wurden. Und somit einmal mehr ein idealisiertes Landschaftsbild entstand. Das ehemalige Herrenhaus gehört heute zum English Heritage und wird mithilfe vieler freiwilliger Helfer für Besucher geöffnet. Im Herrenhaus gibt es zahlreiche alte Gemälde zu sehen, unter anderem einen Turner, ein Selbstbildnis Rembrandts, die Gitarrenspielerin von Vermeer. Neben dem Herrenhaus dann ein kleines Café, wo sich zwischen Blumenrabatten in aller Ruhe ein Tee trinken lässt. Auch das gehört schließlich zum Auslüften.

Ach ja: Auch, wenn man spontan meinen mag, dass der Parliament Hill der höchste „Berg“ von London sein könnte und sollte – er ist es nicht. Die höchste natürliche Erhebung ist ein Stückchen weiter westlich. Dort, wo sich an Hampstead Heath die West Heath anschließt: An der Straßenkreuzung von East Heath Road und Heath Street gelegen, befindet sich der Whitestone Pond. Der natürlich entstandene See hieß ursprünglich Horse Pond, da früher die Pferde dort frisches Wasser trinken konnten. Heute geht es mit Pferdestärken unter der Haube rund um den inzwischen gefassten Teich herum.

Whitestone Pond am Rand von Hampstead Heath – Auf 135 Meter der höchste natürliche Punkt von London

Wie weiter vom Whitestone Pond? – Entweder noch zu einer kleinen Extrarunde in die West Heath. Oder, auf direktem Wege, in die südlich anschließenden, kleinen Straßen und Gassen von Hampstead. Einfach treiben lassen und vielleicht auch in dem verwinkelten Sträßchen Holly Mount vorbeikommen, wo etwas versteckt der altmodische wie charmante Pub „The Holly Bush“ zu finden ist und in dem der Spaziergang bei einem Bier ein perfektes Ende findet.

Tipps

Speziell nach (starkem) Regen ist festes Schuhwerk für einen Spaziergang in Hampstead Heath anzuraten. Viele Stellen sind dann lehmig verschlammt. Nicht wenige Londoner, vor allem diejenigen, die rund um den Park wohnen und mit ihren Hunden unterwegs sind, tragen bei solchem Wetter im Park der Einfachheit halber Gummiestiefel. Zumindest die knöchelhohe Version.

Um eine ausgiebige Runde im Hauptteil des Parks und über das Kenwood House im Norden zu machen, sollte man etwa zwei Stunden Zeit einplanen. Eine kleinere Runde lässt sich im Südosten des Parks gehen: Von der Underground-Haltestelle Kentish Town oder von der Hampstead Heath Station kommend, über den Parliament Hill und rund um die Parliamt Hill Fields sind es etwa 2,5 Kilometer.

Ein anderer natürlicher Aussichtspunkt, von dem man ebenfalls einen sehr guten Blick auf die Londoner Skyline, noch dazu etwas näher, bekommt, ist Primrose Hill. Im gleichnamigen Viertel und Park. – Ein Abstecher dorthin lässt sich wiederum sehr gut kombinieren mit einem Spaziergang entlang des Regent’s Canal.

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2 Kommentare

  • Reply Lutz Prauser 13. März 2017

    Hach – da werden Erinnerungen an die vielen London-Aufenthalte wach.

    Primrose Hill. Wer kennt nicht diesen netten Hügel, auf dem im November zum Guy Fawkes Day „Bonfire & Fireworks“ geboten sind?
    Dieser wunderbare Hügel, an dem einst die Marsmenschen ihren letzten Hauch getan haben, nachdem sie von den irdischen Bakterien in die Knie gezwungen wurden – zumindest in der Vorstellung von H.G. Wells‘ „War of the Worlds“…

    Und wer schlenderte nicht von Hampstead Heath hinüber ins ehemalige Moor von Highgate, wohin Mackie Messer vor seinem Schwiegervater Peachum floh – und wo Karl Marx begraben liegt und einer das faszinierendsten Friedhöfe der Welt zu bestaunen ist…

    Ich müsste mal wieder hin 🙂

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    • NOA
      Reply NOA 13. März 2017

      Gern geschehen, Lutz. 🙂

      Ich sehe: Ich muss mal meine Lücken in Sachen Sci-Fi schließen. Bei mir klingelt’s bei Wells ehrlicherweise nur, weil es doch da auch die Hörspielfassung in den USA gab, bei der die Hörer dann glaubten, es wären tatsächlich Außerirdische gelandet.

      Zum Friedhof hat’s bei uns leider nicht mehr gereicht (bzw. beim Start der Runde dachten wir, es würde nicht reichen und wir ließen ihn aus), da es unser letzter Tag in London war.

      Ich müsste auch mal wieder hin. 🙂

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