Gedanken am Wege

Die Sehnsucht nach Schnee

4. Dezember 2014
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… und die Illusion eines nicht endenden Winters

Im Flachland meiner Kindheitserinnerung kam der erste Schnee pünktlich Anfang Dezember. Sehnsüchtig erwartete ich ihn. Denn er löste den zumeist schmuddeligen und grauen November ab.

Ich genoss den Wochenend-Moment, wenn ich morgens aufwachte, weil erst ein Quietschen und dann ein Poltern durch die Heizungsrohre drang: Im Keller unseres Hauses hatte mein Vater die Ofenklappe geöffnet. Er säuberte den Eisenschlund, bereitete das Feuer, legte noch mal Kohlen nach. Und schon bald stieg die Wärme in die Rippen des Heizkörpers in meinem Zimmer hinauf. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich schon längst die Gardine zur Seite geschoben. Um ungehindert auf die hohen Kiefern schauen zu können, die auf der anderen Seite des Weges standen. Und auf das wunderbare Weiß, das so einfach vom Himmel fiel.

Überhaupt: Schnee. Leise sich herabsenkende Schneeflocken. Sie seien einer der stärksten Sinneseindrücke von Kindern, habe ich mal gelesen.

Das erklärt einiges. Nach wie vor bin ich begeistert, wenn der erste Schnee dem Boden entgegenschwebt. Dort liegen bleibt. Die Nächte still werden. Statt dunkel eigenartig hell.

Ein nie endender Winter - Illusion oder Wirklichkeit?

Ein nie endender Winter – Illusion oder Wirklichkeit? / Tannheimer Tal

In meiner früheren nordostdeutschen Heimat blieb der Schnee auch schon in den 80er Jahren selten lange liegen. Wie auch, auf irgendwas bei 50 Meter über Normalnull?

Doch mit der Zeit mischen sich Erinnerungen und Erzählungen. Genauso wie begierig Gewünschtes und vermeintlich Wahres. Werden zu einer ganz eigenen Wirklichkeit. Ein Beispiel gefällig? – Ein paar Fotos im Familienalbum: Bilder eines Urlaubs in Gießübel, im Thüringer Wald. Mächtig liegt der Schnee auf den Tannen. Die Äste biegen sich unter der weißen Pracht dem Boden entgegen. Dick eingemummelt der junge Mann hier und die junge Frau dort, die später meine Eltern werden sollten. An anderer Stelle ein Foto von mir als etwa dreijähriger Knirps. Im Barnim. Eine Gegend, die man im besten Fall als „sanft hügelig“ beschreiben kann. Ich also auf Ski. Mit dickem Schapka auf dem Kopf. Das Wochenendhäuschen und der Garten ringsum perfekt verschneit. Nochmals später dann Bilder einer studentischen Harzreise. Der winterliche Brocken. Der Wind hat die Eiskristalle fein säuberlich aufeinandergeschichtet und die Bäume zu skurrilen Skulpturen werden lassen.

Nationalpark Bayerischer Wald / Sumava Nationalpark

Nationalpark Bayerischer Wald / Sumava Nationalpark

„So war das, glaube ich“

Alle drei – nur kurze Momentaufnahmen. Fast sicher: Höchstens ein paar Tage der weißen Pracht. In der Erinnerung aber werden sie zur Illusion eines nie endenden Winters.

Wahrscheinlich genau deshalb gefällt es mir vor allem im Winter in Skandinavien. Und in den Alpen. Für mich könnte jeder Winter sechs Monate dauern. Ich freue mich schon wieder drauf …

 

 

Geschichten & Gebäck: Dieser Artikel ist Teil vom Outdoor Blogger Adventskalender 2014. In diesem Adventskalender der etwas anderen Art erzählen 24 Outdoor-Blogger Weihnachtliches & Winterliches. Außergewöhnliches und Unerwartetes. Dies war Türchen Nummer 4. Lasst euch auch weiterhin überraschen! Tag für Tag. 

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Und natürlich lohnt es sich für Outdoor-Enthusiasten, auch außerhalb der Adventszeit den vielfältigen Outdoor-Blogs einen Besuch abzustatten. 

 

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13 Kommentare

  • Reply Torben 4. Dezember 2014

    Klasse Text! Ich selber bin auch in Norddeutschland aufgewachsen… Allerdings mit sehr wenig Schnee … Dafür mit Frost ;-). Der Schnee wird erst jetzt mit Kleinkind was Magisches. Du hast die Magie von Schnee sehr gut im Text eingefangen… JETZT freue ich mich auf ihn. Danke dafür.

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    • NOA
      Reply NOA 5. Dezember 2014

      Ich kann mir gut vorstellen, dass (der erste) Schnee mit Kind was wieder ganz Neues und Magisches hat. Wieder diese großen Augen … wieder diese Verwunderung! Einen schönen Winter wünsche ich Dir! Hoch genug wohnst Du ja jetzt, oder? 😉

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  • Reply Sonya | soschy on tour 4. Dezember 2014

    Hach, wundervoll. Vielen Dank für den Text und die Sehnsucht nach Schnee, die mich gerade packt. Wobei, ich liege in meinem Zelt in Rotorua. Meine Finger frösteln, da sie noch nicht in den Schlafsack dürfen. Ihr habt Winter, ich gerade Frühling und Sommer. Auch wenn es kalt ist für die Jahreszeit. Bei aller Schneesehnsucht, ich verzichte dieses Jahr gerne auf ihn.

    Den Winter und Schnee lieben gelernt habe ich in Nordschweden. Die Kälte und Ruhe hat was Magisches. Hach, so schön.

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    • NOA
      Reply NOA 5. Dezember 2014

      Genau, Sonya, lass den Schnee mal Schnee sein! Ich wünsche Dir eine wunderbare Zeit mit Deinem roten Zelt in Neuseeland. Liebe Grüße!

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  • Reply Charis 4. Dezember 2014

    Schön! Und es schneit auf Deinem Blog. 🙂
    Jetzt ist der Winter wirklich da!
    Liebe Grüße!

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  • Reply Markus 4. Dezember 2014

    Nur noch knapp 40 Stunden und wir erleben wieder die Faszination des Schnees. Ich freu mich schon arg …

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  • Reply Christmas gifts and ideas 2014 | : Klimbingkorns – the Passion of Rock Climbing 5. Dezember 2014

    […]  residing in Germany. To see all participants, find them listed here. Following Nadine’s post yesterday,  low and behold! The 5th door, on the 5th of December and on the 5th day of the week […]

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  • Reply Corinna Outdoormädchen 5. Dezember 2014

    Danke! Fürs Lächeln-ins-Gesicht-zaubern. ^^

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    • NOA
      Reply NOA 5. Dezember 2014

      😉 … Ich seh schon, wir müssen mal eine gemeinsame Wintertour anschieben!

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  • Reply Chris 5. Dezember 2014

    Und die Sehnsucht steigt erst recht nach Deinem Artikel. 🙂

    LG

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  • Reply conny 6. Dezember 2014

    Wunderbar geschrieben und ein bezauberndes Bild (Nationalpark Bay Wald) mit Blick in die winterliche Welt hast du aufgenommen. 🙂

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  • Reply Berg 2015 - Das Alpenvereinsjahrbuch | auf-den-berg.de 7. Dezember 2014

    […] könnt Ihr direkt bei aufundab.eu lesen. Bisher haben schon Aufundab, St. Bergweh, Wohlgeraten, Kulturnatur und Klimbingkorns ihre Türchen mit einer Geschichte geöffnet. Die nächste Geschichte könnt Ihr […]

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