Über Land

Immer gen Isarmündung

14. Juni 2017
Zusammenfluss von Isar und Donau

Auf dem Isarradweg von München nach Deggendorf

Ich genieße es, sonntags oder feiertags zeitig in München mit dem Rad unterwegs zu sein. Sei es, weil ich zum Lieblings-Bäcker düse, um Croissants zu holen. Oder weil ein Ausflug ansteht, der direkt zu Hause losgeht. Selbst bei bestem Wetter ist dann nämlich kaum jemand auf den Straßen. In solchen Momenten habe ich das Gefühl, die ganze Welt würde mir gehören. Oder zumindest ganz München.

Als wir vor einiger Zeit den zweiten Teil des Isarradwegs von München bis hinunter zur Isarmündung angeschaut haben, ging es mir wieder so:

Kurz ein paar Straßen überquert und hinein in den Englischen Garten. Rund um das Seehaus außer ein paar Joggern und ein paar Hundebesitzern: Niemand. Am Aumeister: Niemand. Davor, dazwischen, danach: Niemand. Außer der Schafherde, die im nördlichen Teil des Parks die Wiesen stutzt; um diese Uhrzeit aber noch von der Nacht eingepfercht ist. – Mit anderen Worten: Der idealtypische Start einer Radtour mitten aus der Stadt heraus.

Schnell wird klar: Dieser zweite Abschnitt des Isarradwegs ist so vollkommen anders als der Abschnitt von der Isarquelle bis nach München. Er ist grüner. Gezähmter. Genutzter.

Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Eine Grün-Explosion bis hinter Freising. Die Isar zur Rechten, das Grün der Isarauen zur Linken. Szenenwechsel hinter Moosburg, wo der eine Stausee den anderen Stausee abzulösen beginnt. Für Ornithologen sind solche Stauseen ja meist sehr ergiebig. Ich kann der Stausee-überfrachteten Landschaft dennoch nicht so viel abgewinnen, was sicher auch an den steigenden Tagestemperaturen liegt. Dazu noch das Kernkraftwerk Isar/Ohu – oder irgend ein anderes – nur in Sichtweite zu haben, verschafft mir seit jeher ein mulmiges Gefühl. Von der Autobahn. Und erst recht jetzt, so unmittelbar vom Isarradweg aus.

Würden wir die Städte und Städtchen entlang der Isar nicht eh zumeist kennen, würden wir sicher den einen oder anderen Tag extra auf dem Isarradweg verbringen und immer wieder halten. Auf diesem Abschnitt zum Beispiel in Freising, um mindestens mal auf den Domberg zu schauen und ein wenig durch die Stadt zu schlendern. So aber strampeln wir in der schwülen Junihitze weiter.

In Landshut übernachten wir. Überall bunte gotische Bürgerhäuser, die von den Glanzzeiten der Stadt erzählen. Man sieht der Stadt an, dass auch heute die Wirtschaft brummt: Straßen in der Altstadt werden umfangreich saniert und Häuser hergerichtet. Große, neue Autos röhren durch kleine, alte Gassen. Die Plätze in den Cafés der Fußgängerzone sind am Nachmittag restlos besetzt.

Über allem thront die Burg Trausnitz, einst Stammsitz der Wittelsbacher und Zentrum der Reichspolitik. Nach einem verheerenden Brand im Herbst 1961 ist die Burg wieder aufwändig aufgebaut worden. Da damals eben auch der Großteil des Inventars in Flammen aufgegangen ist, bestaunt man heute zwar nahezu leere Säle. Beeindruckend sind die mittelalterlichen Räume allemal und so lohnt sich ein Abstecher auf das Burggelände, zu dem man von der Altstadt zu Fuß über den Hofgarten schnell hinaufgestiegen ist.

Ein augenscheinlicher Unterschied auf diesem zweiten Isarabschnitt: Kommt man auf dem ersten Abschnitt bis nach München aus den Bergen raus, bestimmen bis nach München vor allem Wiesen und Weiden das Landschaftsbild von Oberbayern. Ganz anders nun am Unterlauf in Niederbayern, wo wir immer wieder auch an großen Getreidefelder entlang radeln. So richtig wird mir das erst bewusst, als ich am Feldrain Mohn und Kornblumen wahrnehme und bemerke, wie sehr mich dieses Bild an meine Kindheit erinnert und wie verhältnismäßig selten ich dieses typische Getreidefeld-Bild in den letzten Jahren im südlichen Oberbayern eigentlich gesehen habe.

Rund um die Isarmündung

Hinter Plattling übernachten wir nochmals, um uns rund um die Isarmündung einen halben Tag Zeit zu lassen: Morgens erst von der einen (linken) Seite an die Isarmündung geradelt und die letzten Meter zu Fuß bis zum Zusammenfluss mit der Donau auf schmalem Pfad durch den teils mannshohen Uferbewuchs gekämpft. Dann in einem Bogen über den Deggendorfer Ortsteil Fischerdorf, der von dem Donau-Hochwasser 2013 besonders betroffen war und wo viele Häuser abgerissen werden mussten und neu aufgebaut wurden. Eine Tragödie, die den Ort heute mit seinen akkuraten, nigelnagelneuen Straßen und Häusern wie aus eine Retorte wirken lässt.

Über die Donaubrücke und bis Niederalteich geradelt, dort auf die Fahrradfähre, die uns ans andere Donauseite und weit hinein in die Isarauen führt.

Hinter dem Infohaus Isarmündung beobachten wir noch eine Weile die Auerochsenherde, die die Auenflächen beweidet. Genau genommen sind es keine echten Auerochsen, denn die Stammväter unserer Hausrinder galten, wie uns durch Info-Tafeln wieder in Erinnerung gerufen wird, schon vor 300 Jahren als ausgestorben. Stattdessen haben die Gebrüder Heck in den 1930 Jahren Tiere rückgezüchtet, die nun also “Heckrinder” heißen und den imposanten Urrindern mit ihren gebogenen, weißen Hörnern mit schwarzen Spitzen sehr ähnlich sind.

Irgendwann ist endgültig genug. Die Auwälder dampfen in einer frühsommerlichen Hitzewelle und wir mit ihnen. Noch kurz zurück nach Plattling und dem Lokführer alles weitere bis nach München überlassen …

Gut zu wissen

Dauer: Ab München haben wir uns für den Isarradweg inklusive ausgiebiger Erkundung der Isarmündung 2,5 Tage Zeit genommen. Wer die Städte entlang des Flusses nicht kennt, kann hier sicher problemlos mehr Tage verbringen.

Hin und Her: Rückfahrt ab Plattling mit der Bahn. Regelmäßige Verbindungen.

Übernachten: Wir haben in Landshut im Hotel Goldene Sonne mitten in der Altstadt übernachtet – gutes Essen, schöner Innenhof und alles, was man nach dem Tag auf dem Rad noch erreichen möchte, ist fußläufig. Eine zweite Nacht haben wir noch nahe der Isarmündung verbracht, auf Gut Altholz; von dort aus ist man morgens quasi in der Pole Position für weitere Erkundungen auf den letzten Metern der Isar.

Welches Rad? Wer hat: Ein Trekking-Rad. Ein Mountainbike geht natürlich auch, man strampelt wegen des kleineren Reifendurchmessers eben mehr.

Fazit – Wie taugt der ganze Isarradweg? Ohne Frage, seine landschaftlichen Reize spielt der Isarradweg vor allem im Karwendel und in den Voralpen aus, dann wieder in den Auen rund um Freising und rund um die Isarmündung. Einige eher monotone Streckenabschnitte muss man – wie an anderen Flussradwegen – auch an der Isar hinter sich bringen; das gehört dazu. Dafür lassen sich ganz nebenbei einige hübsche, kleine (Innen-)Städte besuchen.

 

 

 

 

 

 

 

 

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