Bergauf Hier & da hin Österreich

Mit zwei Jokern auf den Gipfel

Fundelkopf

Vom Nenzinger Himmel auf den Fundelkopf

Sollen wir den Josef kurz anrufen?“ überlegen wir. – Eigentlich ist’s ja ein bisschen blöd: Da stehen wir keine 50 Meter vom Gipfelkreuz entfernt und wissen nicht so recht weiter: Rechter Hand ginge es, wie es aussieht, durch den Fels direkt nach oben; hier und da schon auf den ersten Metern etwas bröselig. Links hinauf führt ein schräges Band. Plattig, rampig, überdacht.

Am Vorabend war wohl genau von dieser Stelle die Rede. Es hieß, wir müssen „hinten rum“ gehen. Ja schon, aber dieses „hinten rum“, war das vielleicht schon? Jedenfalls sieht die Variante nach links, eingezwängt unter dem Felsdach, für uns in diesem Augenblick nicht unbedingt so aus, als ob sie richtig wäre. Außerdem haben wir im Kopf, dass es einen Kamin hochginge. Doch was genau soll hier der Kamin sein?

Was soll’s. Falscher Stolz wäre fehl am Platz; und ein Telefonjoker ist dazu da, ihn einzusetzen. Schließlich, so hatten wir es am Vorabend mit auf den Weg bekommen, sollten wir uns einfach melden, wenn was wäre. – Jetzt ist was.

Wie wir hören, sind tatsächlich beide Wege möglich. Rechts durch den Fels sei die etwas schwierigere Variante.

Telefonat beendet, links herum um den Felsen geschaut. Dahinter, so ist zu sehen, geht es über ein schmales Band ein Stück weiter. Danach müssten wir zwei, drei Mal Hand anlegen und würden alsbald am Gipfelkreuz stehen. Alles ist quasi zum Greifen nah.

Und doch, in diesem Augenblick, als wir allein auf uns und unseren Biss gestellt sind, scheint der Gipfel einfach verdammt weit weg. Als wir schon kehrtmachen wollen, kommt ein Wanderer den Berg hoch. Auf unsere Frage erfahren wir: Er ist zwar auch nicht aus der Region, kennt aber den Gipfel schon von einem vorherigen Besuch. Unser unerwarteter Super-Joker, der nichts dagegen hat, dass wir uns ihm anschließen.

Plötzlich geht alles ganz leicht von der Hand. Und wieder einmal bewahrheiten sich drei Dinge. – #1: Am Berg ist die Psyche schon manchmal recht kauzig! #2: Vertrauen kann sich innerhalb von Sekunden aufbauen. #3: In der Gruppe geht vieles leichter.

Wir genießen zu dritt den Gipfel, steigen wieder ab zum Amatschonjoch, holen dort einen kleinen Gipfelschnaps nach. Dann geht jeder seines Weges – unser Gipfel-Begleiter ins Brandnertal, wir in den Nenzinger Himmel im Gamperdonatal. Was für ein Hochgefühl!

Tourenplanung:

Der Weg vom Nenzinger Himmel: Der Nenzinger Himmel als Ausgangspunkt der Tour liegt im Gamperdonatal, etwa 16 Kilometer von Nenzing entfernt. Ins Tal führt eine Mautstraße. Diese darf allerdings nur mit Sondergenehmigung genutzt werden. Auch für Fahrradfahrer ist am Taleingang sehr bald Schluss und die einzige verbleibende Alternative wäre: zu Fuß ins Gamperdond. Der erhöhte organisatorische Aufwand erklärt auch, warum der Fundelkopf weniger vom Nenzinger Himmel als viel häufiger vom Brandnertal gegangen wird. (Weitere Infos zum Nenzinger Himmel auch hier.)

Wegcharakter: Der Aufstieg vom Nenzinger Himmel auf das Fundeljoch geht lange Zeit über schöne Pfade. Zunächst über den Amatschonweg zur Alpe Setsch, von dort – oberhalb des Gaggafeld – die lange Grasflanke nach Nordosten querend zum Amatschonjoch (wohin auch der Weg aus dem Brandnertal führt). Ab dem Amatschonjoch sind die letzten 400 Höhenmeter anspruchsvoller und nur noch hier und da mit einigen sehr verwitterten Farbpunkten markiert. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit mitbringen: Es geht durch Latschen ins Felsgelände. Der Weg verliert sich recht schnell im Gestein; über eine Rinne hinweg ist der weitere Wegverlauf weiter oben, auf der anderen (linken/westlichen) Seite dann aber wieder gut auszumachen. Steil über viele Serpentinen hinauf, im Fels dann gilt es den Weg mehr zu erahnen als zu erkennen. Später zwei Optionen: Rechts geht es kaminartig bzw. durch eine Rinne hinauf. Oder links, über eine Art schräges, überdachtes Plattenband „von hinten“ um den Gipfelaufbau herum. Letztere ist die leichtere Variante. Hinab auf dem gleichen Weg.

Tiere entlang des Wegs: Auf der Alpe Setsch herrscht Murmeltier-Alarm. – Auf den Wiesen rund um die Hütte sind Dutzende dieser possierlichen Tierchen unterwegs. Etwas weiter, im Gaggafeld, leben Hirsche. Wer ein Fernglas und etwas Zeit mitbringt, hat gerade in den Morgen- und Abendstunden gute Chancen auf eine Sichtung. Zur Brunftzeit Ende September wohl ebenfalls ein außergewöhnliches Erlebnis.

Noch wolkenverhangen: Morgen im Nenzinger Himmel

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