Hier & da hin Über Land

November im Altmühltal

Kriegsgedenken statt Klettern, Gastronomie statt Geologie

Es gibt Ausflüge, die sind für einen trüben Novembertag perfekt geeignet. Entweder, weil das Thema, mit dem man sich auf dem Ausflug beschäftigt, genauso trist ist wie der Himmel. Oder aber, weil die Chancen gut stehen, in einem Lokal einzukehren, welches das Trübsal des Tages vergessen lässt.

Eine Gegend, die beides verbindet?: Das Altmühltal. Hier leitet dann das eine sogar unweigerlich zum anderen hin.

Ein Ausflug nach Eichstätt sollte es sein. Schon mindestens sieben Jahren redeten wir davon. Wir hatten schon einiges über das Städtchen vernommen. Vom Hörensagen wussten wir: Im Altmühltal gelegen, bietet sich Eichstätt als Ausgangspunkt oder Etappenziel für Erkundungen mit dem Fahrrad (Stichwort: Altmühlradweg), mit dem Kanu, oder eben auch mit der Kletterausrüstung an. Alles wunderbar machbar im Sommerhalbjahr. Aber wenn’s kälter ist?

Der Innenstadt können wir natürlich auch im November einen Besuch abstatten: Unzählige historische Gebäude erwarten einen hier. Alles ziemlich barock. Vieles hübsch anzuschauen. Und dennoch sind viele Plätze und Straßen etwas leer und verwaist. Wer will’s einem verdenken bei nur wenigen Plusgraden. Erst rund um die Mittagszeit wuseln die Arbeitnehmer über die Straßen, hinein zu den Metzgern und wieder zurück in die Büros.

Viele scheinen durchgefroren, die feuchte Luft zieht durch alle Ritzen. Auch uns geht es zu diesem Zeitpunkt nicht besser: Zuvor hatten wir eine gute halbe Stunde auf einer Wiese etwas oberhalb der Stadt verbracht, dem Figurenfeld Eichstätt.

Das Figurenfeld liegt in einer kleinen Wiesenmulde. 78 überlebensgroße Plastiken erwarten einen hier. Der Bildhauer Alois Wünsche-Mitterecker hat die Figuren aus Zement, Granit- und Basaltkörnern gearbeitet. Mehr als 20 Jahre arbeitete er daran.

Die Plastiken sollen daran erinnern, wie sinnlos Krieg und Gewalt sind. Sie kauern und sie kriechen. In den einen erkenne ich aus der Ferne müde Soldaten. In anderen sterbende Pferde. Als ich näher komme, verschwimmen viele der Formen. Es herrscht ein großes Durcheinander, aus dem ich entfliehen möchte. Wieder hinauf auf den Hügel.

Die Figuren fügen sich auf ganz eigentümliche Weise in die karge Landschaft ein: Erwartet hatte ich hier steil abfallende, bewaldete Flussufer. Statt dessen finden wir uns in einer kargen, recht offenen Landschaft wieder. Mit ihren vielen Wacholderbüschen und frühwinterlich-gelben Wiesen erinnert sie eher eine norddeutsche Heide.

Wacholder im Altmühltal
Wacholder im Altmühltal

Im Naturpark Altmühltal wird Landschaftsschutz groß geschrieben. Letztlich sind es die hiesigen Schafe, die die Kulturlandschaft erhalten: Sie werden von Hüteschäfern über die Wiesen und Hänge geführt. Und sorgen so dafür, dass die Landschaft nicht verbuscht.

Was wir noch davon haben? Wunderbares Altmühltaler Lamm auf dem Teller. Bei ausgewählten Gastronomen kann man es probieren. Unter der Woche, mittags, Ende November ein nicht ganz einfaches Unterfangen. – Die Gasthöfe, die wir ansteuern, sind entweder im Jahresurlaub oder öffnen nur abends. Fündig werden wir im Waldgasthof Geländer. Es liegt auf einer kleinen Waldlichtung außerhalb von Eichstätt. Und wartet mit einem köstlichen Altmühltaler Lamm-Krautwickerl und einem ebenso schmackhaftem Altmühltaler Hirtentopf auf. Die perfekte Ablenkung von der kalt-nassen Tristesse da draußen …

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