Münchner Momente

Neues aus der Kühlkammer

E5 - Alpenüberquerung: Ötzi-Denkmal

Diese Zähne, diese Gelenke … Der Mann vom Similaun

Erstmalig in Deutschland ist in München die Ausstellung „Ötzi 2.0 – Neues von der Eismumie“ zu sehen. Ein Besuch ist empfehlenswert. Selbst für Museumsgänger, die Ötzis Museum in Bozen bereits kennen.

„Diese ausgetrocknete, grässlich anzusehende Leiche muss lieblicher werden, um daraus eine gute Story zu machen“, meinte der Wiener Reporter Karl Wendl. Und prägte kurzerhand den Kosenamen Ötzi. Erika und Helmut Simon aus Nürnberg hatten diese Leiche einige Zeit zuvor, im September 1991, beim Tisenjoch gefunden. In der heutigen Grenzregion von Tirol und Südtirol. Wie sich herausstellen sollte, lag sie seit mehr als 5.300 Jahren dort. Gefriergetrocknet, nahezu unversehrt – und tätowiert.  Der Rest ist Geschichte.

Gestorben war Ötzi einst durch einen Pfeilschuss. Oder an dessen Folgen. So ganz haben Ötzi-Experten noch keinen Konsens gefunden.

Vieles andere scheint derweil gewiss: Er hatte Arthrose in den Sprunggelenken und verkalkte Blutgefäße. Selbst Karies und Parodontose.

Über diese und den Rest der aktuellsten Forschungsergebnisse können Besucher der Archäologischen Staatssammlung München mehr erfahren: „Ötzi 2.0 – Neues von der Eismumie“ heißt die Sonderausstellung. Anfang Februar eröffnet, ist sie noch bis Ende August 2014 zu sehen.

Ötzi 2.0 - Neues von der Eismumie. Bis Ende August 2014 in München zu sehen
Ötzi 2.0 – Neues von der Eismumie. Bis Ende August 2014 in München zu sehen

Konzipiert vom Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen, ist die Ausstellung erstmals in Deutschland zu sehen. Neben interaktiven Modulen, Filmen und Rekonstruktionen gibt’s auch eine Live-Webcam. Die zeigt direkt in die Kühlkammer in Bozen, in der Ötzi liegt.

An die Übertragung mit der Live-Webcam selbst sollten Besucher allerdings keine allzu großen Erwartungen knüpfen. Es ist eine Art Guckloch im Guckloch. Mehr als ein sich grau auf grau aufbauendes Bild, auf dem man die Mumie erahnt, ist nicht zu erkennen. Hin und wieder steht in Bozen ein Besucher vor der Kühlkammer. Und im Bild. Auch dort also ein ganz normaler Museums-Sonntag.

Die Informationen rund um den Mann vom Similaun sind in recht kleinen Portionen aufbereitet. Manch einer wird sich allerdings daran stoßen, wie wenig visueller Platz für die kurzen Texte gelassen wurde.

Ein besonders schöner und die Phantasie anregender Schaukasten befasst sich mit der Bekleidung von Ötzi: Zu seiner Zeit musste Kleidung vor allem zweckmäßig sein. So war seine Bärenfellmütze besonders wichtig, schützte sie ihn doch vor dem kalten Wind im Hochgebirge. Doch auch das Modische kam nicht zu kurz: Der knielange Ziegenfellmantel war aus hellen und dunklen Fellstreifen zusammengenäht.

Aktuelle Ötzi-Forschung im Überblick
Meilensteine der aktuellen Ötzi-Forschung im Überblick

Neben der eigentlichen Geschichte rund um die außergewöhnliche Mumie sind es vor allem die Meilensteine der Ötzi-Forschung, die die Aufmerksamkeit erwecken. Viele der in der Ausstellung vorgestellten Details zum Leben und Tod von Ötzi sind erst durch immer fortgeschrittenere Untersuchungsmöglichkeiten in den letzten Jahren klar geworden.

Etwas Trivia noch: Es gibt auch einen Feuerwehr-Ötzi. Für eine BBC-Dokumentation wurde Ötzi nachgebildet. Nach den Dreharbeiten bekam das Archäologiemuseum in Bozen die Nachbildung geschenkt – und verwendet sie seither für Feuerwehrübungen. Sollte es mal zu einem Notfall im Museum kommen, müsste die Mumie schließlich als erstes aus der Kühlkammer evakuiert werden.

Wer interessiert und berg-begeistert ist, kann – nein: sollte – natürlich auch die Fundstelle des Ötzi besuchen: Sie befindet sich etwas oberhalb der Similaunhütte. Zu Fuß von der einen Seite aus dem Ötztal, von der anderen Seite aus dem Schnalstal zu erreichen. Auch während einer Alpenüberquerung von Oberstdorf nach Meran über das Niederjoch ist der kurze Abstecher zur Ötzi-Fundstelle empfehlenswert.

Auch auf einer Alpenüberquerung über das Niederjoch lässt sich ein Abstecher zur Ötzi-Fundstelle perfekt einbauen.
Auch auf einer Alpenüberquerung über das Niederjoch lässt sich ein Abstecher zur Ötzi-Fundstelle perfekt einbauen.

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