Über Land

Drumherum geradelt

10. April 2017

Auf dem Radlring München einmal um die Stadt

Was tun an einem Bilderbuch-Frühlings-Wochenende?: Das Fahrrad schnappen, von zu Hause losradeln und auf ausgeschildertem Weg einmal rund um München. – Klingt gut? Ist es auch!

Los ging es für uns am Schloss Schleißheim. Besondere Unternehmungen bedürfen schließlich eines besonderen Startpunktes. Noch dazu ist Oberschleißheim auch aus der Stadt heraus mit dem Rad schnell und über eine recht grüne Wegführung zu erreichen.

Soweit die Theorie. Die Praxis hatte für mich noch auf dem Weg zu unserem Radlring-Startpunkt einen platten Reifen in petto. Glücklicherweise handelte ich mir den Platten zwar erst bei der Flugwerft Oberschleißheim ein. Unglückerweise griff dann aber Murphy’s Law: Just das eine einzige Mal in Jahren, dass wir das Flickzeug oder einen Ersatzschlauch brauchen, haben wir alles zu Hause vergessen. Also darf ich die Ehrenrunde zur Radlwerkstatt schieben. Eine halbe Stunde später geht es zum Ausgangspunkt zurück. Nun aber wirklich!

Der Radlring, das ist für mich eine ordentliche Portion Natur. Vor allem aber sind das für mich die vielen Gesichter der Stadt: Wie wir leben, wo wir arbeiten. Wie wir einkaufen, wo wir uns bewegen. – Man bekommt den ganzen Querschnitt der Landeshauptstadt und des Umlands zu sehen. Die guten Seiten, die schlechten Seiten.

Seien wir ehrlich: Oft bewegen wir uns ja auf unseren eingespielten Wegen. Wir sind fast immer in den Stadtteilen und Orten, die aus dem einen oder anderen Grund besser zu erreichen sind. Und links und rechts davon gibt es – zumindest von uns – unerforschtes Gebiet.

Das Spannende am Radlring war daher für mich, in Ecken des unmittelbaren Stadtumlands zu kommen, in denen ich noch nie gewesen bin. Außerdem führt der Radlring durch viel unbebaute Landschaft. Vor allem in dem Grünen Gürtel südlich der Stadt ist immer wieder mal längere Zeit kein einziges Haus in Sicht.

Ich habe mindestens ein halbes Dutzend Stellen gesehen, die richtig Klasse für’s Pilzsammeln sein dürften. Ich habe den Eichelgarten im Forstenrieder Park entdeckt. Und zum Schluss, fast auf der Zielgeraden, ging es noch durch die Amperauen – für mich der landschaftlich vielleicht schönste Abschnitt des Radlrings.

Nachahmung empfohlen!

Radlring-Info

Radlring München – Was’n das?

Der Radlring München ist eine ausgeschilderte Radwegführung rund um München: Über Oberschleißheim im Norden, Feldkirchen im Osten, Grünwald im Süden und Fürstenfeldbruck im Westen. Auf Hinweistafeln wird offiziell von 170 Kilometern Länge gesprochen; diese Angabe berücksichtigt allerdings einige Schleifen. Wenn man der regulären Ausschilderung folgt, kommt man auf knapp 140 Kilometer.

Der Radlring wurde zur Bundesgartenschau 2005 entwickelt.

Wie ist der Radlring ausgeschildert?

An und für sich ist die Ausschilderung recht gut (Gefühlt zu 85 bis 90 Prozent in Ordnung). An einigen wirklich wichtigen Stellen befinden sich die Hinweisschilder jedoch an völlig unlogischem Platz, wo man sie schnell übersieht. Oder sie fehlen ganz. Insofern sollte man sich vor einer ersten Umrundung den Verlauf genau auf der Karte anschauen, im Idealfall den Track im Smartphone dabei haben und auch unterwegs immer einigermaßen wissen, welcher Ort als nächstes angesteuert wird.

Ist man in der Landschaft unterwegs, ist der Weg meist recht eindeutig. Etwas knifflig wird es immer wieder in den Orten: Manchmal sollte man einem windschief verdrehten Hinweisschild folgen, dann wieder besser nicht. Insbesondere an Kreisverkehren, die erst in den letzten Jahren eingerichteten wurden, wurden die Radler schlichtweg vergessen oder zumindest die Schilder nicht “mit Radleraugen” aufgestellt. Dort muss man sich immer wieder mit einem Blick auf die Karte behelfen.

Durch die stärkere Zersiedelung ist die Wegführung auf dem östlichen Teil des Radlrings deutlich kleinteiliger – und damit insgesamt auch etwas schwieriger zu finden. Allerdings muss man auch in Gauting, Fürstenfeldbruck und Dachau die Augen offen halten, will man nicht allzu weit vom Kurs abkommen.

Im Idealfall ist der Radlring München so ausgeschildert.

Wie lange dauert’s?

Rein rechnerisch sind es bei 140 Kilometern und 20 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit 7 Stunden reine Fahrzeit. Wer sportlich unterwegs ist, setzt sich also früh am Morgen fix aufs Rad und ist zu Kaffee und Kuchen wieder daheim.

Entspannter und für die Mehrheit tauglicher geht es aufgeteilt auf zwei Tage. Mit Zeit für’s Schauen und Reden entlang des Wegs. Und mit der einen oder anderen obligatorischen Capucchino- und/oder Biergarten-Pause.

Wer beispielsweise mit Kindern unterwegs ist, der kann auch jederzeit kürzere Abschnitte auswählen. Die große Stärke des Radlrings ist ja, dass ein paar wenige Kilometer weiter eigentlich immer eine S-Bahn zu erreichen ist. Da kann jeder die Strecke abradeln, wie es ihm taugt.

Wo startet man am besten, wie herum fährt man und welche Aufteilung ist sinnvoll?

Der Einsteig ist überall möglich. Wer sich den Weg aus der Stadt sparen will, nimmt die S-Bahn bis in eine der Umlandgemeinden am Radlring.

Als gut gewählt hat sich unser Startpunkt am Schloss Schleißheim erwiesen: Von dort im Uhrzeigersinn um die Stadt. Man hat so am ersten Tag mehr Ortschaften, am zweiten Tag mehr Natur. Außerdem geht es am ersten Tag tendenziell bergauf, am zweiten tendenziell bergab. Tagesziel und mehr oder minder die Hälfte der Gesamtstrecke ist in diesem Fall Buchenhain. Eine kleine finale Fiesheit ist bei dieser Wegvariante, ganz am Ende des ersten Radltages von der Isar wieder zum Hochufer hinaufstrampeln zu müssen.

In Buchenhain gibt es die Möglichkeit, entweder die S-Bahn in die Innenstadt zu nehmen und am nächsten Tag neu anzusetzen. Oder man quartiert sich im gemütlichen Waldgasthof Buchenhain ein und macht so kurzerhand einen Mini-Urlaub aus der München-Umrundung. Der Gasthof ist im dezenten Landhausstil eingerichtet und hat einen großen Biergarten am Waldrand. Direkt hinter dem Haus geht es, am Klettergarten Buchenhain vorbei, hinunter an die Isar zu einer kleinen Badestelle gegenüber vom Georgenstein. Wer also an heißen Tagen unterwegs ist und überschüssige Energie hat …

Was für’n Rad braucht’s?

Es geht viele Bordsteine hoch und runter, außerdem immer wieder auch über Schotterwege – die ideale Wahl ist daher aus meiner Sicht ein Mountainbike. Alternativ ist ein Trekkingrad zu empfehlen. Wenn’s unbedingt sein muss, sicher auch mit jedem anderen Rad zu machen. Ging ja früher auch.

Gibt’s eine beste Jahreszeit?

Mein Votum heißt: Frühling. Wenn die Bäume ausgetrieben haben und alles in mindestens 15 Grüntönen leuchtet. Später im Jahr je nach Wetter bis in den Oktober hinein.

Wo kann ich mich über den Wegverlauf informieren?

Der Radlring ist in der Karte UK 100-1 des Landesvermessungsamtes eingezeichnet, die Infos gibt es auch auf deren Website. Alternativ hast du hier zur Orientierung meinen Track (mit dem einen oder anderen gewollten oder ungewollten kleinen Abzweig).

Noch was: 

Den Radlring München nicht mit dem Äußeren Radlring (rund 50 km) oder mit dem Interen Radlring (auf 15 km rund um die Innenstadt) verwechseln!

Und hier noch ein paar Bilder:

 

Zur Übernachtung im Waldgasthof Buchenhain erhielt ich für Vor-Ort-Recherchen eine Einladung von den Gastgebern. 

 

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6 Kommentare

  • Reply Nicole 13. April 2017

    Ich finde es toll, dass viele Städte jetzt immer mehr dafür sorgen, dass wir Radfahrer nicht mehr ganz ignoriert werden!
    Es werden viele alternativ Strecken für Radfahrer gebaut, sodass man nicht mehr gezwungen ist nur noch durch die Stadt zu fahren.

    Dein Artikel zeigt schöne Bilder und Eindrücke von deiner kleinen Radtour. Hat mich gefreut das zu lesen 🙂

    Gruß
    Nicole

  • Reply Rebecca 17. April 2017

    Gefällt mir, wird irgendwann nachgeradelt 🙂

    Liebe Grüße

    Rebecca

    • NOA
      Reply NOA 18. April 2017

      Super! Freut mich. Liebe Grüße, Nadine

  • Reply Alex 20. April 2017

    Klasse Bericht!!!
    Zwei Erkenntnisse, die ich jetzt gewonnen habe:
    1. Ich muss wieder auf den Drahtesel steigen und mal Burgentouren per pedes machen!
    2. Vielleicht sattle ich auf Wassertürme um? Davon gibt es ja auch einige hübsche 🙂

    LG
    Schubsi

    • NOA
      Reply NOA 20. April 2017

      Hey Schubsi, nee, vom Umsatteln halte ich da nicht so viel. Ein Wasserturm-Instagram-Account tut’s doch für’s erste auch. Von dir wollen wir doch noch mehr über Burgen erfahren!
      Und Burgentouren mit dem Bike sind sicher nicht schlecht, das recherchiert sich auch schneller (ich mein nur, falls du bei einem zukünftigen Projekt mal in Zeitnot geraten solltest.) 😉

      • Reply Alex 21. April 2017

        Man kann Burgen:
        – erwandern
        – erklettern
        – erradeln
        – erpaddeln
        – erschneeschuhen
        – erskitourengehen
        – erjoggen
        – er…wasauchimmer

        Das alles kann man mit Berggipfeln nicht unbedingt. 🙂

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