Gedanken am Wege

Bergliebe, die

4. April 2016

(Wortart: Substantiv, feminin; lokal auch: Alpenliebe)

Manchen Gefühlen kannst du dich nicht entziehen. Sie überwältigen dich. Unvorbereitet. Durch die Hintertür.

Du fühlst dich benommen. Aufgewühlt. Ergriffen. Du versuchst, deine anhaltende Euphorie in logische Sätze zu packen. Es will dir nicht recht gelingen.

Von anderen hörst du die Frage „Was war der Auslöser?“ – Beim besten Willen, das ist nicht leicht zu beantworten: War es vielleicht dieses erste Mal, dass du in “richtigen” Bergen warst? War es das erste Murmeltier, das du hast pfeifen hören? War es einer dieser besonderen Sonnenaufgänge? Oder die Übernachtung auf dieser außergewöhnlichen Berghütte? Das Panorama während dieser oder jener Wanderung?

„Es ist Unsinn, sagt die Vernunft.“

… was es solle, immer und immer wieder in die Berge zu gehen?, wollen andere von dir wissen. Und auch du stellst dir die Frage hin und wieder selbst. Warum tust du dir diese ganzen Höhenmeter an? Zu Fuß, mit dem Rad, auf Schneeschuhen oder Ski. Bei Sonnenschein und bei Regen, bei Wind und bei Schneefall.

Zweifel kommen auf. Du lässt sie zu. Manchmal bleibst du dann auch einfach nur daheim. Erschöpft. Und doch weißt du: Ohne diese Tage da draußen in der Natur kannst du auch nicht. Denn die Momente in den Bergen geben dir viel. Vieles, das sich auch nach Jahren nicht so einfach in Worte fassen lässt:

Du erlebst, wie es ist, nach mühsamen Höhenmetern oben anzukommen – und alle Anstrengung zu vergessen, kaum dass sich das Gipfelpanorama auftut. Glückshormone jagen durch deinen Körper. Du fühlst ein Ganz-bei-dir-Sein. Du bist heiter. Selig. Manchmal gar berauscht.

„Es ist, was es ist. Sagt die Liebe.“

Selbst unten, im Tal, findest du immer wieder Dinge, die deine Aufmerksamkeit erregen. Du erfährst Neues. Du entdeckst dir Unbekanntes, das du näher kennenlernen und verstehen möchtest. Es gibt Details, die dir nicht gefallen. An denen du dich reibst. Mit denen du aber umzugehen lernst. Denn das Gebirge lässt dir keine Ruhe.

Du kennst das? Dann hat dich ganz klar die Bergliebe erfasst …

Dieser Artikel ist Teil der „Leidenschaft“-Blogparade der Ironblogger München. Jeden Tag stellt ein anderer Blogger (s)eine Leidenschaft vor. Gestern hat Alexander in seinem Künstlertagebuch einen wunderbar persönlichen Text geschrieben und dabei sogar den Bogen vom Drucken zu den Bergen geschlagen – chapeau. Den Staffelstab übergebe ich nun an Claudia

 

 

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10 Kommentare

  • Reply Wie ich eine Leidenschaft nicht gefunden habe... 5. April 2016

    […] Tag im April einen neuen Artikel von einem Münchner IronBlogger geben. Gestern schrieb Nadine auf KulturNatur und morgen Alexandra von Traveling the World. Viel […]

  • Reply Early Bird 9. April 2016

    Oh ja… das kennen wir 🙂 Aber es gibt nun mal keinen Ort, an dem man sich so gelöst, so gut, so entspannt und so fern all der Probleme fühlt, die man sich als Mensch so macht.

    Liebe Grüße,
    Early Bird von 2muve

    • NOA
      Reply NOA 15. April 2016

      Schon, gell – Early Bird?! 🙂 Ich habe entdeckt, dass ihr dieses Jahr nach Venedig laufen wollt. Welch Zufall: Das Artikel-Headerbild ist letztes Jahr auf dem Weg dorthin entstanden, auf der Lüsener Alm. Da wünsche ich euch einen tollen Monat; ist – trotz einiger mühsamer Abschnitte – ne wirklich schöne Tour. 🙂 Wann genau soll’s denn losgehen? Grüße auch an die Night Owl, Nadine

      • Reply Early Bird 16. April 2016

        Ja genau, Mitte Juli planen wir loszulaufen. Wir sind schon sehr gespannt und haben auch die Beiträge hier mit Spannung verfolgt :-).

        Liebe Grüße,
        Early Bird und Night Owl 🙂

  • Reply Sonya 9. April 2016

    Die Bergliebe, sie ist fürwahr eine Leidenschaft, die glücklich macht. Immer und immer wieder. Bei Sonnenschein und selbst bei Regen und Nebel. Nach der Anstrengung auf den Gipfel zu stehen, wenn die Augen sich in der Ferne erholen und der Körper Kraft im Durchatmen findet. Bergliebe, die. Danke, dass du uns beide zusammengeführt hast.

    • NOA
      Reply NOA 15. April 2016

      Ja, einfach nur: Danke! 🙂

  • Reply Blogstöckchen erhalten. Stichwort: „Leidenschaft“ | Edyssee 9. April 2016

    […] Gestern hat #IronBloggerin Alexandra, die Travelista, vom Reisen als Lebenselixier geschrieben, zuvor schon NOA über ihre Liebe zu den Bergen. […]

  • Reply Corinna Outdoormädchen 24. Juni 2016

    Oh mon dieu, Du sprichst mir aus der Seele! Aber es wäre auch verwunderlich, wenn dem nicht so wäre ^^

    Danke für ein Lächeln!

    Lieben Gruß,
    Corinna

  • Reply Jana 24. Juni 2016

    Wie schön und wie treffend beschrieben! Ich kann es auch nicht rational erklären, warum ich diese vielen Höhenmeter hochsteige. Immer und immer wieder. Ich tue es, egal ob es leicht oder schwer fällt.

    Ich weiss nur, dass ich danach absolut glücklich und zufrieden bin. Und entspannt. Und trotz der Anstrengung erholt.

    Immer wieder schön.

    Danke für diesen wunderbaren Artikel.

  • Reply zuFussunterwegs: Für zuFüssler, die noch mehr wissen wollen - und sich eine Starthilfe wünschen - zuFussunterwegs: 30. August 2016

    […] bin ich auch ihren Blog aufmerksam geworden: über die „Gedanken am Wege“ zur Bergliebe. Besser hätte ich es nicht formulieren können. Wie habe ich mich in diesem Artikel selbst […]

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