Bergsofa

Höhen und Tiefen eines Bergsteigerinnen-Lebens

24. August 2015
Und plötzlich ... am Himmel ein Berg

Buchtipp: Und plötzlich … am Himmel ein Berg

„Stellen Sie sich Nicole glücklich vor.“ – Dieser letzte Satz im Buch der Schweizerin Nicole Niquille ist vielleicht gleichzeitig der wichtigste. Denn allzu schnell könnte sonst sofort das volle Mitleids-Programm anlaufen. Wer durch einen Unfall an einen Rollstuhl angewiesen ist, der bekommt sicher häufig genau das zu spüren. Noch dazu, wenn man bisher passionierter Sportler war.

Nicole Niquille ist einer dieser bewegungsfreudigen Menschen; sie geht als Jugendliche – nach einem Motorradunfall – voll und ganz in ihrem neu gefundenen Sport, dem Klettern, auf. Sie ist fasziniert von den Bergen; lässt sich als erste Schweizerin erfolgreich zur Bergführerin ausbilden, klettert auch im Himalaya.

Alles könnte wunderbar sein, wäre da nicht dieses nussgroße Steinchen, das ihr beim Pilzesammeln auf den Kopf fällt. Das Resultat: eine monatelange Reha. Und dauerhaft muss der Rollstuhl her. Doch Nicole Niquille findet neue Aufgaben: Sie eröffnet zunächst ein Restaurant. Später gründet sie eine Stiftung, mit der ein Krankenhaus in Nepal finanziert wird.

Das Buch strotzt vor positivem Lebensgefühl, wenn man so will: Als Kind schien sie ein ziemlicher Wirbelwind gewesen zu sein. Die Eltern heißen mit Sicherheit nicht sofort und alles gut, aber unterstützen sie nach ganzen Kräften, als starke Persönlichkeit das Leben anzupacken. Und es ist wohl genau diese positive Energie, die sie später ihren Unfall so scheinbar gut verkraften lässt.

Vielleicht, so mutmaßt Nicole Niquille im Buch sinngemäß, sei gar nicht immer alles so positiv gewesen, sondern sie sei nur eine Meisterin des Verdrängens. Des Verdrängens von eben nicht so positiven Momenten. – Tatsächlich fehlt mir über lange Strecken im Buch der Einblick in solche vielleicht nicht ganz so guten Momente; der Einblick in die Gefühlswelt. Ganz unvoyeristisch – einfach, um zu verstehen, was ganz tief drin in dem Menschen vorgeht, der nach außen gut mit der Situation umzugehen scheint.

Für meine Begriffe gibt es hier und da Gedankensprünge, denen mitunter nicht ganz leicht zu folgen ist. Doch im letzten Viertel des Buches ändert sich sowohl das Tempo als auch die Erzählweise stark. Hier entstehen Bilder im Kopf; hier scheint es fast, als sitze man im Gasthaus am Lac de Tanay und lausche den Erzählungen der Autorin.

Erzählungen vor allem von ihren Anstrengungen, das Krankenhaus in Lukla einzurichten, ans Laufen zu bringen, auszubauen. Davon, das Krankenhaus langfristig funktionstüchtig zu machen – immer mit dem Ziel, vor allem die Armen und die Kinder kostenlos zu behandeln und ebenso Frauen zu ermöglichen, ihre Kinder ohne Bezahlung zur Welt zu bringen.

Seit der Veröffentlichung des Buches sind einige Jahre ins Land gegangen. Das Krankenhaus feierte im April 2015 sein zehnjähriges Bestehen. Wenige Tage später wurde es durch das verheerende Erdbeben von Nepal stark beschädigt; beim großen Nachbeben in Mai vollständig zerstört.

Wenn man das Buch gelesen hat, dann ahnt man: Auch aus diesem Rückschlag werden sicher ungeahnte Kräfte mobilisiert. Bei Nicole Niquille. Und wohl auch bei ihren zahlreichen Unterstützern.

AS Verlag

(c) AS Verlag

„Und plötzlich … am Himmel ein Berg“ ist im AS Verlag erschienen. Umfang 240 Seiten, gebunden. In jedem Buchladen oder beim Verlag für 29,90 Euro (D) zu bestellen. ISBN: 978–3–906055–10–7.

Das Buch „Und plötzlich … am Himmel ein Berg“ hat mir der AS Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

 

Weitere Infos zur Stiftung von Nicole Niquille: www.hopital-lukla.ch (sic!) sowie www.luklahospital.com

 

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